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alle Treue, die ſie ſeinem Dichter erwieſen hat, gibt uns in ihren Aufzeichnungen ein erſchütterndes Bild dieſes Heldentums.„Oft, wenn er gelitten, was kein andrer ertragen hätte, fand man ihn heiter und ruhig; durch ſeine Liebe für ſeine Geliebten vermochte er oft ſeinen Schmerz zu lindern; in der Unbefangenheit ſeiner Kinder vergaß er dann, welche Qualen ſeine Bruſt bewahrte.“ Und eben dieſer Heldenmut im Leiden iſt das letzte und vielleicht das höchſte Ideal, das Schiller nicht nur gepredigt, ſondern in ſeiner eigenen Perſon verwirklicht hat. Er hat ihn überdies nicht bloß den Seinen gegenüber durch eine faſt un⸗ begreifliche Kraft der Seele bewährt, ſondern auch dort bewieſen, wo die Natur der Dinge ihm keinen ſolchen Zwang auferlegt hätte. An ſich iſt es ſchon eine tief ergreifende Tatſache, daß er nach mancherlei früheren Anfechtungen von ſeinen Mannesjahren nur eins in leidlicher Geſundheit verlebt hat, zugleich das erſte Jahr ſeines Eheglücks. Vom Januar 1791 an, wo eine ſchwere, Monate lang ſich hinziehende Lungenentzündung ihn befiel, iſt er nur noch ein Kranker, oft genug ein Sterbender geweſen. Und er ſelbſt iſt ſich, ſchon als Arzt, klar über ſeinen Zuſtand; er weiß, daß er auf keinen ſchmerzensfreien Tag mehr zu rechnen hat und bittet Gott nur um eine Friſt, damit er wenigſtens einen Teil der Geiſteswerke, die ihn beſchäftigen, vollenden und damit die Zukunft der Seinigen ſicher ſtellen kann. In denſelben Jahren aber, in denen ſeine Krankheit, langſamer wohl als er gemeint, aber un⸗ erbittlich fortſchreitet, hat er alle die unſterblichen Meiſterwerke ge⸗ ſchaffen, die ihm die Welt verdankt! Der uns verbliebene Kalender, in den er die Angaben über ihren Beginn, ihren Fortgang und Abſchluß einzutragen pflegte, zeigt deutlich, mit welcher fieberhaften Anſpannung er von dem einen zum andern fortgeeilt iſt, als müſſe er jede Stunde auskaufen, die ihm noch beſchieden iſt. Was er aber nicht verzeichnet hat, ſind ſeine Schmerzen.„Wann hätte er auch nur mit einem einzigen Vers das perſönliche Leiden ſeines Lebens berührt?“ ſagt jemand, der ſie kannte.„Immer hat das Schickſal geflucht und immer hat Schiller geſegnet!“ Zu voller Verklärung aber erhob ſich dieſes Heldentum im letzten Winter ſeines Lebens. Lange vermochte er noch Lotte über den Ernſt ſeines Zuſtandes zu täuſchen. Kam ſie des Abends, um bei ihm zu wachen, ſo ſchickte er ſie mit freundlichem Lächeln zu Bett. Dafür duldete er, daß ein junger Hausfreund, der Sohn des Homerüberſetzers Voß, öfters eine Nachtwache bei ihm übernahm, und aus deſſen Feder ſtammt folgender Krankheitsbericht:„Schiller war die Sanftmut und Milde ſelbſt. Wie litt der Mann, als ich zum erſtenmal bei ihm wachte, und wie heiter und männlich ertrug er es! Als ob er ſein Ende vorausgefühlt hätte, ſo durchdrang eine unausſprechliche Güte ſein ganzes Weſen und gab ſich kund


