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der südrussischen Flüsse tritt seit den bedeutenden Entwaldungen in ihrem oberen und mittleren Gebiete das Hochwasser früher und heftiger auf als sonst, weil der Schnee auf dem bloßgelegten Boden schneller schmilzt in der Sonne und das Wasser überdies rascher abläuft. Gleichzeitig hat aber auch— begreiflicher Weise— die Dauer des Hochwassers zugenommen. ¹)—.
Diejenigen Länder, in welchen blinder Unverstand die Forste niedergeschlagen hat, wie Frankreich, Spanien, sterreich, Italien, die Schweiz, jetzt auch große Gebiete von Nordamerika, leiden seitdem nachgewiesener Maßen an furchtbaren Überschwemmungen, die mit einer er- schreckenden Regelmäßigkeit wiederkehren. Zu Anfang dieses Jahrhunderts war Hochwasser im Addathale noch ein ganz unbekannter Begriff; freilich war damals das ganze obere Thal bewaldet. Es wird oft versichert, die früher so blühenden Länder, welche unter die Herrschaft des Islam geraten sind, seien verarmt und verödet durch die Vernachlässigung ihrer bewunderns- werten künstlichen Bewässerungsvorrichtungen. Deren Verfall hat gewiß mitgewirkt, aber der Hauptgrund für die traurige Veränderung ist die Zerstörung der natürlichen Bewässerungs- anlagen, der Wälder. Dadurch leiden diese Länder während der Regenzeit an gefährlichen Überflutungen, während der Hitze aber fehlt der feuchte, quellenspendende Waldgrund, die Pluren versengen und veröden. Das Regenwasser, welches im Verweilen zum Segen werden könnte, ist dort fast nur noch ein verheerendes Element. Auf derselben Ursache beruht der unheilvolle Wechsel zwischen Wassersnot und Dürre in China. Die Trockenheit des Hochsommers ist daselbst vielfach so intensiv, daß der Wind durch das Fortführen des Staubes die Landstraßen allmählich zu tiefen Hohlwegen ausgefegt hat ²). Alle diese Thatsachen reden so deutlich, daß wir uns unmöglich der Uberzeugung verschließen können: der Wald ist volkswirtschaftlich von der allerhöchsten Bedeutung, vornehmlich in gebirgigen und nicht ohnehin schon gleichmäßig feuchten Gebieten; er muß auf das sorgfältigste bewahrt und gepflegt werden ³).
¹) Jelinek's Zeitschr. V. Band.
²) v. Richthofen.
²) Das Vorausgegangene hat wohl zur Genüge dargethan, daß es ungerechtfertigt wäre, zu sagen: Der Frankfurter Stadtwald giebt einen Reinertrag von 90 000 Mark, folglich beläuft sich— entsprechend einer Verzinsung mit 3%— sein Kapitalwert(Boden samt Holzvorrat) auf 3 Millionen Mark.(Der Grund und Boden desselben allein steht— und zwar recht niedrig— mit 5 Millionen M. zu Buch!) Dies ist aber in der That in der Forstwissenschaft ein stark vertretener Standpunkt, daß also bei einer Nettorente von 10 M.— unter Annahme von 2,5% Verzinsung— ein Wert von 400 M. pro ha. herausgerechnet wird. Ich kann diesen Standpunkt nicht teilen; denn alsdann müßte man— folgerichtig— auch den Kapitalwert eines Parks oder einer Promenade, die nichts einbringen, ja den von jeder Einrichtung für Kunst, Wissenschaft und Kultus gleich Null setzen, bzw. unter Null annehmen, da solche Anlagen noch laufende Kosten verursachen. Oder, um beim Walde zu pleiben: Man macht gegenwärtig Aufforstungsversuche in dem Oldenburgischen Münsterlande z. B.,*) und in Schleswig-Holstein**), bei welchen die Ausgaben pro ha. 160 M. betragen, teilweise noch viel mehr. Bis dieser junge Wald die Hälfte seiner Umtriebszeit erreicht hat, etwa 50 Jahre alt geworden ist, hat sich aber das hineingesteckte Kapital mit Zins und Zinseszins(stark) vervierfacht, ist also= 4. 160, d. h. über 600 M. pro ha. geworden.(Dabei ist weder für Bodenwert noch für Pflege und Schutz irgend etwas hinzugesetzt!) So hoch würde also mindestens der mittlere Wert der künftig etwa aufgeforsteten Lüneburger Heide pro ha. sich belaufen, auch wenn davon nur 5 M. rein kommen— wie es thatsächlich in der Provinz Hannover der Fall ist.— Die»Waldrente« stellt sich eben keineswegs allein in klingender Münze dar; umgekehrt darf nicht durchweg bloß aus ihrem Geldbetrage der Wert des Waldes berechnet werden. Thut man dies freilich unter Zugrundelegung von einprozentiger oder noch geringerer Verzinsung— und dagegen ist schließlich prin- zipiell ebenso wenig einzuwenden, wie gegen die jetzt angenommene 2 ⁄½ oder 2 prozentige— dann deckt sich dies ja mit obigen Ausführungen.
*) Forstl. Blätter 1891. **) Zeitschr. für Forst- u. Jagdwesen 1893.


