Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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3. Regengüssen platzte und seinen ganzen Inhalt über das dicht besiedelte, volkreiche Thal des Connemaughflusses ergoß. Leider ist nun der Fluß, welcher früher dem Thale so viel Segen gebracht, durch die Waldverwüstung in den Alleghanies zum Fluche desselben geworden« ¹).

Denken wir uns einen heftigen Regen auf weite Landstrecken niedergehend, oder den Schnee im Frühlingswinde schmelzend, so wird das Wasser, abwärts fließend, sich zu stärkeren und immer stärkeren Adern vereinigen und um so plötzlicher, also verheerender in die Niederungen hinabstürzen, je weniger es durch Hemmnisse in seinem Lauf angehalten wird, je steiler und glatter der Abfall der Höhen ist. Stellen wir uns aber diese nämlichen Gebirgshänge nicht kahl, sondern mit Wald pepflanzt vor! Der auf Millionen von Baumblättern herabgießende Wolkenbruch wird hier schon aufgehalten; er trieft von Ast zu Ast, an den Stämmen entlang, nicht sofort sondern verteilt und mit verlangsamter Geschwindigkeit zur Erde. Das ist schon ein großer Gewinn, weil die Ausdehnung auf die doppelte Zeit, auf zehn statt auf fünf Minuten, nur noch die halbe Wasser-Anschwellung zuläßt. Aber weiter: Am Waldboden trifft das Regen- oder Schneewasser nicht eine glatte Fläche, auf welcher es unmittelbar abschießen kann, sondern es findet ihn bedeckt mit Reisern, Laub und Nadeln, mit einem Teppich von Kräutern, Moosen und Flechten, vor allem aber mit einer tiefen, lockeren Schicht von vermoderten Baumabfällen und anderen Pflanzenresten, dem s. g. Humus. Dieser saugt sich zuvor voll Wasser, wie ein riesiger Schwamm, ehe das weitere durchsickert zum darunter liegenden Erdreiche. Erst wenn auch dieses durchtränkt ist, kann oben ein langsamer Abfluß eintreten. Tausende von Tonnen Wasser, welche allein schon die betreffende Gegend gefährden würden, speichern sich so auf in einem einzigen Waldgrunde, als einem natürlichen Sammelbehälter. Ist ein Gebirgswald aber erst einmal niedergeschlagen, festigt sein lebendiges Wurzelgeflechte nicht mehr den Boden, so waschen diesen die Regen weg, das abstürzende Wasser gräbt tiefere und immer tiefere Furchen an den Hängen und schießt ohne Halt über das unten gelegene Kulturland. Zu Zeiten bedecken es Fluten, welche überschwemmen, ohne zu erfrischen, und den Boden durch ihre vorübergehende Erscheinung noch öder machen, als er durch ihr Ausbleiben war.

Der Wald kann ja nicht jede Wassersgefahr verhüten, zumal er nur einen Bruchteil Deutschlands bedeckt, aber wohl vermag er die Schwere derselben sehr herabzumindern. Bei wochenlangem Regenwetter kommt ein Zeitpunkt, wo auch der aufnahmefähigste Boden zunächst gesättigt ist; aber erst, nachdem er ungeheuere Mengen Wasser verschluckt hat, und auch dann noch giebt er nicht alles neu hinzukommende ab. Die vielen Umwege, zu welchen dasselbe auf dem Waldgrunde genötigt ist, die zahllosen Hindernisse, welche ihm Schritt für Schritt sich entgegen- setzen, ergeben jedesmal kleine Aufenthalte, welche im ganzen sich zu bedeutenden Verzögerungen summieren; und damit wächst die Möglichkeit, daß immer wieder ein Teil sich unterirdisch ausbreite.

Bei den UÜberschwemmungen im März 1885, welche besonders in Nord-Deutschland so großes Elend angerichtet haben, war die namhafteste Ursache des verderblichen Wassersteigens die, daß bei plötzlich eintretendem sehr warmem Frühjahrswetter der hochliegende Schnee rasch schmolz, während der tief gefrorene Erdboden nicht im Stande war, das Tauwasser aufzunehmen. Solche Gefahr mindert der Waldboden ganz außerordentlich. Durch die schirmenden Kronen der Bäume vor starker Ausstrahlung geschützt, warm gehalten durch die ihn bedeckenden Reiser- Moos- Laub- und Nadelschichten, friert er lange nicht so schnell und so tief als die freie Erde, vermag also viel eher das niedersickernde Schmelzwasser zu verschlucken. Das ist eine besonders wichtige, noch nicht genug gewürdigte Bedeutung der Waldboden-Bedeckung. Am Unterlaufe

¹) v. Hesse-Wartegg.