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tausendjährigen Laub- und Nadelabfalls, verschwunden. Sonnenbrand und Winde haben ihn verdorrt, Regen- und Schneewasser haben ihn in die Thäler geführt, und auch diesen ist er nicht zu gute gekommen. Der rohe, ertragsunfähige Gebirgsboden, Gerölle und Geschiebe sind ihm gefolgt, und haben die Thäler verschlämmt. Jene Berg- und Hügelrücken tragen höchstens noch Ginster und Heidekraut, gewähren kaum noch magere Schaf- und Ziegenweide; in den Niederungen sind die fruchtbaren Waldwiesen verschwunden; sie werden wieder und immer wieder zerrissen und verdorben. ¹)
Was ist der innere Grund für das Herabkommen eines ganzen Landes durch die Ver- wüstung seiner Wälder? Es ist das ungünstige Verhältnis, in welches die bloßgelegte Erde den atmosphärischen Vorgängen gegenüber gesetzt ist. Der Boden eines normal gehaltenen Waldes ist mit einer schwammigen Schicht bedeckt. Nirgends verschließt er sich also dem Eindringen des Wassers und läßt— je nach seiner mineralischen Beschaffenheit und der Lage seiner Schichten— jenes mehr oder weniger tief einsinken. Auf vegetationslosem Boden dagegen werden von den aufstoßenden Wassertropfen die Poren des Erdreiches verstopft, bzw. undurch- lassende Lehmteilchen in die ffnungen gepresst; der Boden wird»regenhart« geschlagen. Das Wasser vermag bald kaum mehr einzudringen und sammelt sich auf der Oberfläche. Die wieder hervortretende Sonne läßt nicht bloß das stehen bleibende Wasser, sondern auch einen großen Teil des oberflächlich eingedrungenen bald verdunsten. Ganz ähnlich verhält sich Gras-Land; die Grasnarbe mit ihren verfilzten Wurzeln setzt dem Eindringen des Wassers einen bedeutenden Widerstand entgegen. ²) Im Wald aber hindern das Blätterdach, die bodenbedeckenden Pflanzen sowie die Moderschicht das rasche Einwirken der Sonnenstrahlen und ihre verdunstende Kraft. Die Wasserteilchen erreichen den Schoß der Erde; allmählich hinabsinkend in die zerklüfteten Steinpartien des Untergrundes, hinabgleitend auf der schiefen Ebene der Lehm- und Mergelschichten, füllen sie die unterirdischen Höhlen und Gänge« Auf Wochen und Monate speisen sie dann, langsam vordringend, die Quellen oder wirken nach als Bodenfeuchtigkeit, Frische und Frucht- barkeit in die Thäler hinabtragend— für die Zeiten der Hitze und Trockenheit ein unschätz- barer Segen.
Daß ein solcher Ausgleich der Wasserfülle über lange Zeit, auf das ganze Jahr hin, auch für die Schifffahrt bedeutsam ist, dem sollte in unserer Zeit, welche einen so außerordentlichen Aufschwung des Verkehres, namentlich des Güterverkehrs aufweist, größere Beachtung geschenkt werden. Ganz unzweifelhaft ist die vorteilhafte Einwirkung der Bewaldung auf die Niederwasser- Stände der Flüsse.¹) Dieselben müssen in trockenen Zeiten um so niedriger sein, je mehr von den Meteor-Wässern unmittelbar abgeflossen ist, je weniger also die Erde in ihrem Innern auf- gespeichert hat. Solche Störungen erleben wir ja Jahr für Jahr, und zwar nicht bloß im Sommer. War doch beispielsweise im Winter 1888/89 das Fahrwasser der Elbe ein so niedriges, daß die Thätigkeit der Eisbrecher nicht mehr lohnte und der Schiffsverkehr fast gänzlich eingestellt werden mußte.— Aus Inschriften und Marken an den Felswänden der Ufer bei Wady-Halfa in Nubien geht hervor, daß der mittlere Nilstand damals ein weit höherer war als jetzt, wo die natürlichen Wasser-Reservoire, dargeboten durch den Waldboden, zerstört sind, die nachhaltige Feuchtigkeit herabgedrückt und zugleich die Menge der Niederschläge vermindert ist.
Unter den Schädigungen, welche dem Volkswohle durch Mitähandlung der Wälder zu- gefügt werden, tritt eine hervor, die eine ganz besonders eindringliche Sprache redet und eine
¹) v. Hagen. ²) Woldrich.(Zeitschr. der östr. Gesellsch. für Meteorologie.) ³) Fecht.


