Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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9 wenigen Bewohner man hat die Berge bis auf ihre Spitze von Wald entblößst. Madeira ist wirtschaftlich ganz zurückgegangen seit der Ausrottung der dortigen Urwälder ²). Der Reisende, welcher Griechenland durchwandert, findet statt der schönen Waldungen, womit die Berge gekrönt waren, statt der üppigen Thäler nunmehr weithin trockene Felsen und dürre Sandwüsten, aus welchen da und dort ein elender Flecken hervorschaut. Vergebens sucht er manche Flüsse, deren Namen die Geschichte erhalten hat; sie sind verwischt von der Erde,

verschwunden mit den Wäldern ²). Das einst so waldreiche Dalmatien ist gegenwärtig vor- wiegend eine schattenlose Steinwüste. Nordafrika war einst ein fruchtbares Land, und seine Ernten ernährten Italien jetet herrscht dort Dürre. Die Ursache dieses Wechsels liegt nicht

in Veränderungen, welche von der Natur ausgegangen sind, sondern es ist hier, wie vielfach anderwärts, der Mensch gewesen, welcher sich selbst geschadet hat. Bei der Eroberung des Landes durch die Araber im Beginne des achten Jahrhunderts fängt die Verwüstung an. Mit seinen Hirtengewohnheiten drang dieses Volk in das zuvor ackerbautreibende Land. Es ver- prannte die Wälder, um die Weidegründe zu vergrößern. Die Folgen waren Entwässerung und Entfruchtung. Die Eroberung Algeriens durch die Franzosen hat das Übel noch vermehrt und deren Ruhm als Kolonisatoren nicht erhöht. Sie waren ungeduldig. von dem Boden lohnende Ernten zu gewinnen, und verbrannten den Rest der Wälder, um ihre Saaten in den fruchtbaren Boden zu legen. In der Folge wurde der Regen seltener, er fällt mehr in Wolkenbrüchen als in wohlthätigen Schauern, und Wildbäche zerreißen und entführen die Fruchterde 8).

Wandert man im Sommer qurch Süd-Italien, Spanien, Palästina, so findet man die Erde trocken, gelb oder praungelb vor; alle Vegetation ist erstickt im Staube des schattenlosen, schmachtenden Bodens. Als durch Zerstörung der Wälder in den Ländern rings um das Mittelmeer die Quellen mehr und mehr versiegten, ging die Bodenkultur rasch zurück, dann aber auch die Bevölkerung selbst, und wir haben hierin wohl einen der Gründe zu erblicken, weshalb»der Schwerpunkt in der Geschichte der Civilisation sich nach den wald- und quellen- reicheren Gebieten des mittleren und nördlichen Europä verschob«).

Aber auch in diesem hat man bereits schwere Fehler in der Bewirtschaftung des Waldes sich zu Schulden kommen lassen und begeht sie noch bis auf den heutigen Tag. In Rußland hat man in den letzten Jahrzehnten eine mit der schonungslosen Behandlung der Wälder Hand in Hand gehende Abnahme der Bodenfeuchtigkeit und Verminderung der Fruchtbarkeit des Landes beobachtet. Die traurige Lage der russischen Landwirtschaft erfährt dadurch eine Be- leuchtung, welche jedenfalls eine ihrer Ursachen aufdeckt.

Näch Saussure) bildeten die Seen von Neuenburg, Biel und Murten früher ein großes Wasserbecken, so lange die sie umgebenden Berge noch bewaldet waren. Seit dieselben jedoch ihres Waldkleides beraubt worden sind, haben sich die Spiegel jener drei Seen aus Mangel an Zufluß gesenkt und getrennt.

Auch bei uns ist hierin viel gesündigt worden, und weite Gebiete leiden darunter. Wer Belege sucht, sehe nach dem Eichsfelde, dem Emsgebiete, dem Ober-Bergischen Lande; er ver- schließe nur nicht geflissentlich seine Augen, so wird er solche Beispiele durch ganz Deutschland hindurch finden. Von entwaldeten Höhenzügen ist der fruchtbare Waldboden, das Produkt

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¹) Dove.

²) Marschand.

³) Prof. Joh. Müller.

³) Heim.

) Voyages dans les Alpes.