Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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Volkseinkommen ist daselbst vielleicht für alle Zeit besiegelt. Die einst so gepriesenen Cedern des Libanon sind bis auf wenige alte Exemplare verschwunden, und es ist noch nicht gelungen, neuen Wald aufzubringen in der entstandenen Steinwildnis.

Die an den kahlen, verwitternden Berghalden durch die Regengüsse jedesmal mitgerissenen Sand- und Steinmassen sind natürlich eine ständige Quelle der Schädigung und der Gefahr auch für das Unterland. Der Wald übt eben seinen wohlthätigen Einfluß nicht bloß auf den Landstrich, welchen er unmittelbar beherrscht und behütet, sondern viel weiter. Es ist heute, namentlich durch englische Forscher, festgestellt, daß das Nilbett in alten Zeiten bedeutend tiefer lag als jetzt(während das anstoßende Kulturland sich nur wenig erhöht hat). Seit der Ent- waldung Ober-Agyptens konnten dort die Wassermassen der tropischen Regengüsse rasch ab- schließen, viel mehr Geschiebe herabreißen, welches das Flußbett mehr und mehr ausfüllte. Aus dem gleichen Grund ist die Oder-Schiffahrt mit vielen Schwierigkeiten verknüpft,¹) wie auch bereits die des Maines. Die Wolga ist durch die zunehmende Abholzung in Rußland mehr und mehr versandet, während andererseits die Steppe sich ausdehnt.²) Unglaublich leichtfertig ist die große französische Revolution mit dem Walde umgegangen. Staats- Kron- und Privatforsten wurden verkauft, um Geld zu machen, niedergeschlagen und so ein unermeßlicher Schaden an- gerichtet. Im Jahre 1793 schreiben die Verwaltungsbeamten der Jsère: Die Urbarmachungen werden im Bezirke Grenoble so weit getrieben, daß jeder Regen viel Unglück verursacht; die Berge sind nur noch kahle Felsen. Die Flüsse haben keine beständige Wassermasse mehr; sie führen Schutt mit sich und versperren die Schiffahrt. Der Präfekt der Drôme spricht sich 1804 folgendermaßen aus:»In Valence und in Crest giebt es beinahe kein Holz mehr; die

Bergrücken sind von Millionen Schluchten durchfurcht.... Die mittleren Teile der Berge, welche als Waldungen bewirtschaftet werden sollten, bestehen nur noch aus Erdrissen und aus gänzlich ödem nutzlosen Lande.«*) Aber bis in die neueste Zeit hinein hat es gewührt, bis

dort von Seiten der Regierung dem Übel nur einigermaßsen gesteuert wurde. Noch 1857 schreibt Ch. de Ribbe: ¹)»Das Strombett(der Durance) erhöht sich, zuweilen um viele Fuß im Jahre, so daß es bis an die Brückenlehnen hinaufragt, und ganze Brücken fortgerissen werden.«

Das Niederhauen der Wälder birgt aber nicht bloß auf Bergen und Hängen eine örtliche Gefahr, es schädigt nicht allein durch den hier entstehenden Einnahme-Ausfall sowie durch Versandung der Flüsse, sondern ganze Länder werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Schon Réaumur weist auf die klimatische Bedeutung des Waldes hin, und Buffon spricht es als eine Erfahrung aus, welche er auf seinen weiten Reisen gewonnen: je waldärmer ein Land wird, desto wasserärmer und unfruchtbarer wird es auch. Man rodete die Wälder aus, um neues Erdreich zu gewinnen, und als die Wälder gefallen waren, sank auch die Landwirtschaft nach ⁵5). Es ist dies eine bedeutungsvolle volkswirtschaftliche Wahrheit, die noch lange nicht ganz gewürdigt ist. Sehen wir doch nur in die Geschichte der Lünder hinein, von welchen wir verbürgte Über- lieferung haben, daß sie früher viel waldreicher waren. Einst waren die jetzt ausgedörrten Ebenen Asiens, das nackte Euphrat-Thal, das nunmehr wasserleere, sandige Iran, das unfruchtbare Syrien lauter fröhliche Paradiese, in welchen eine zahlreiche Bevölkerung sich überreicher Ernten er- freute; Sicilien, einst die Kornkammer der alten Riesenstadt Rom, ernährt kaum mehr seine

¹) Kirchhoff. ²) Prof. Joh. Müller. ³) Marschand. ¹) Die Provence. ⁵5) v. Thüngen. Wöhlerschule 1895. 2