Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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wurden flüchtig und erzeugten dadurch großartige Versandungen ¹), Daneben stelle man, daß allein im letzten Jahre der private Waldbestand in Posen wieder um mehr als 10 000 ha. zurückgegangen ist! Die Geest(d. h. unfruchtbare) war früher mit ausgedehnten Laubholz- waldungen bedeckt ²). Noch in diesem Jahrhunderte haben daselbst Wald-Teilungen und Rodungen große sandige Heideflächen entstehen lassen. Die Eisenbahn von Berlin nach Stettin durch- schneidet meilenweit öde Strecken, auf welchen nichts mehr gedeiht, weder Ackerfrucht noch Weidekräuter noch Baum. Warum? Das Gebiet war früher Kiefernwald. Derselbe wurde abgetrieben, ohne daß man schirmende Bäume stehen ließ. Und nun ist der schattenlose, dürre Sand ein Spiel der Stürme geworden, und Wald kann nur mit großen Schwierigkeiten wieder aufgebracht werden. Es sind nicht überall solche Mittel und solcher Wille vorhanden, mit welchen der Park des Fürsten Pückler-Muskau in Schlesien geschaffen worden ist. Mitten in einer»Sandwüste« ist hier durch Anpflanzung verschiedenartigster Bäume eine wundervolle Oase entstanden, welche nach der sonst traurigen Gegend zahlreiche Naturfreunde zieht.

Umgekehrt verhütet der Wald auf sehr festem Boden ein Verkrusten desselben, schon durch die Moosdecke, welche sich in ihm bildet. Wo jetzt die öde Lüneburger Heide sich dehnt, da finden sich noch deutliche Spuren von früheren Forstbeständen, namentlich Eichen. Nachdem diese sämtlich niedergeschlagen worden, und der feuchte, lockere Humus vertrocknet und verweht war, trat die s. g. Ortsteinbildung auf, d. h. eine Verhärtung des Bodens, welche es jetzt äußerst schwer macht, Bäume aufzuziehen und ebenso der Herstellung von Ackerland hemmend im Wege steht. Die entstandenen Ödflächen können weithin nur noch den Heidschnucken kümmerliche Nahrung bieten oder zur Gewinnung von Plaggenstreu dienen.

Während in allen diesen Fällen für besonders mageres Erdreich die Bewaldung sich als das Mittel darstellt, wodurch dasselbe vor Verkümmerung bewahrt wird, hat sich merk- würdiger Weise mehrfach auch für nasse Stellen ein wohlthätiger Einfluß der Aufforstung er- geben. Man hat beobachtet, einerseits, daß solche Orte durch Bepflanzung mit Bäumen ent- sumpft wurden, andererseits z. B. in der Eifel daß mit Ausrottung des Waldes wieder Sumpfbildung eintrat. Es ist dies ein deutlicher Fingerzeig, wie gewiesen es unter Umständen ist, Moore aufzuforsten, und zwar nicht bloß in Niederungen, wo eine andere Entwässerung kaum angeht, sondern auch hochgelegene, nämlich dann, wenn durch anderweitige Trocken- legung derselben einem Bache das ihn ständig speisende Wasser entzogen würde. Bekanntlich gedeihen ja nicht wenige Baumarten besonders gut auf nassem Boden, auch auf solchem, welcher häufigen Überschwemmungen ausgesetzt ist.

Von ganz hervorragender Wichtigkeit ist Vorsicht in Erhaltung des Waldes auf ab- schüssigen Berghängen. Die Bäume, mit ihren Wurzeln wie mit starken Ankern in der Tiefe sich festklammernd, stützen die oberen Erdschichten gegen das Abrutschen. Ferner ist auf Gebirgsabhängen im allgemeinen die Niederschlagsmenge bedeutend höher als im Tieflande. Aus diesem Grunde ist gerade hier die Bewahrung der aufsaugenden Bodenbedeckung doppelt notwendig. Diese einfachen Thatsachen sind aber vielfach mißachtet worden, und noch heutzu- tage ist die Erkenntnis des Dienstes, welchen der Wald im Gebirge uns leistet, durchaus nicht überall verbreitet. Correvon ³) berichtet aus der Schweiz:

Il existe en Valais, non loin de Martigny, sur la rive droite du Rhone, une pente sèche et aride dont l'oeil se détourne avec horreur. Pas un buisson, pas une place gazonnée,

¹) v. Hagen. ²) Niemann und Schleiden. ³) Les plantes des Alpes 1885.