Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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6 gesteigert. Das baumlose Nebraska war früher gefürchtet als das Land der Tornados, der ver- heerenden Wirbelstürme, welche alles mit sich fortreißen, was auf ihrer der Verwüstung geweihten Bahn sich findet. Auf den ausgedehnten kahlen prärieflächen konnten sich diese Windhosen ungehindert zu schreckhafter Gewalt entwickeln; seit aber die Baumpflanzungen daselbst einen größeren Umfang angenommen haben, seit aus der Ebene ein von zahlreichen Wäldchen, Alleen u. s. w. durchschnittenes Gelände entstanden ist, kam selten mehr ein Tornado vor. Umgekehrt hat in den Ost-Staaten der Union die Zunahme der Wirbelwinde mit der Waldverwüstung gleichen Schritt gehalten.

Der Wald bewahrt auch vielfach die naheliegenden Kulturen vor Frühjahrs- und Herbst- frost.¹) Wie er nämlich an heißen Tagen die Hitze mildert, indem kühle Luft von ihm aus- strömt, so erwärmt er nachts das anstoßende offene Land, mindestens auf der Seite, nach welcher der Wind geht; denn in seinem Humusboden hält er die Wärme länger zurück, zumal derselbe qurch die schirmenden Baumkronen vor rascher Ausstrahlung geschützt wird.

Einen nicht minder wertvollen Schutz bietet der Wald gegen Lawinen und Schnee-Ver- wehungen. Zwischen Saanen und Gsteig(Bern) wurde hoch oben ein Holzschlag vorgenommen; schon im ersten Jahre bildete sich daselbst eine Lawine, wo man niemals welche gesehen hatte. Dieselbe brachte an den Fuß des Berges noch mehrere tausend Kubikmeter Holz mit aus einem in halber Höhe liegenden Walde, der nunmehr ohne Hoffnung auf jemalige Wieder- herstellung zerstört ist. Nachdem der Weg einmal gebahnt war, erneuerten sich die Lawinen und wurden zu einer ständigen Gefahr für die Bewohner des Thales.

Nicht weniger wichtig ist der Wald für sehr lockeren, s. g. flüchtigen Boden. Das Küstenland zwischen Adour und Gironde im südwestlichen Frankreich ist jetzt ein ödes Heideland mit spärlicher, halbverkommener Bevölkerung.²) Einst war dem nicht so. Die langgestreckten Hügelrücken der s. g. Landes waren von Büschen und Bäumen besiedelt, und hinter denselben

8 fand sich ein sicherer, ergiebiger Boden. Da gefiel es den Franzosen, die mit Nadelhölzern und

Weiden bestandenen Dünen abzuholzen und mit dieser That viele Quardratmeilen fruchtbaren Bodens zu vernichten. Denn nun waren die Höhen nicht mehr gefestet; Stürme wühlten die von den vermorschten Wurzeln nicht mehr gehaltenen lockeren Massen auf, und der bloßgelegte Sand kehrte bald in den Zustand zurück, wie ihn noch jetzt das Meer an seinen Gestaden absetzt; als verschüttender Flugsand ward er weit ins Land hinein getragen.³) Mit unendlicher Mühe hat man neuerdings diese Dünen gebunden durch Sandgräser und sie dadurch wieder bewohnbar gemacht für Bäume, namentlich Pinus maritima. Ein Beispiel. welches uns Deutsche ganz besonders schmerzlich berührt, liefern die Nehrungen. Durch Entwaldung derselben im 17. und 18. Jahrhundert sind die Seeküsten allen Winden und Stürmen preisgegeben, der Dünensand hat weithin fruchtbare Fluren bedeckt; Dörfer, deren ackerbautreibende Bevölkerung im Wohlstande lebte, sind verkommen und verschwunden. Durch den Sand ist die Nehrung auf 100 Kilometer hin in eine Wüste verwandelt worden.)

Doch auch im Binnenlande haben wir an den Folgen der nämlichen Fehler zu tragen. In der Provinz Posen hatten die gestiegenen Holzpreise zur Devastation erheblicher Privatwald- flächen geführt, selbst auf absolutem Waldboden(d. h. solchem Boden, welcher sich wegen seiner mangelhaften physikalischen Eigenschaften nur zur forstlichen Benutzung eignet). Ganze Hügel

¹) Danckelmann. ²) Ruge.

³) Prof. Willkomm. ) v. Hagen.