Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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Tages 1200 Liter auf!) Dadurch ergiebt sich eine wesentlich andere Verteilung des Meteor- Wassers im Waldboden als seither angenommen wurde. ¹)

Die Bildung von Gewitter- und Hagelwolken wird wesentlich erschwert durch den Wald, eine Eigenschaft, welche noch zu wenig beachtet worden ist. Es steht fest, daß seit einer Reihe von Jahrzehnten die Zahl der Blitzschläge in Häuser außerordentlich stark zugenommen hat aber in ganz ungleichmäßiger Weise für verschiedene Gebiete Deutschlands. In einem stark bewaldeten Kreise Badens kamen wäührend einer bestimmten Zeitperiode auf 1 Million Gebäude nur 24 Blitzbrände, in einem anderen waldarmen gleichzeitig 265 ²). In Hessen sind die gefähr- detsten Gegenden die der mittelrheinischen Tiefebene, während Odenwald und Vogelsberg am wenigsten durch Blitzschläge leiden. In Schleswig-Ilolstein, Oldenburg und Hannover sind die Blitzschäden in den Marschgegenden am häufigsten: die auf dem flachen und waldarmen Lande zerstreuten Einzelnhöfe sind als einzig hervorragende Objekte der Gefahr, vom Blitze getroffen zu werden, am ehesten ausgesetzt. Stellen wir daneben, daß im Laufe unseres Jahrhunderts infolge der Ausdehnung des landwirtschaftlichen Betriebes, dann infolge der Entwicklung der Industrie namentlich in der Nähe der Städte, Dörfer und alleinstehenden Höfe der Wald mehr und mehr zurückgedrängt wurde, so läßtt sich der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung unschwer erkennen. Der Entwicklung von Gewittern sind erfahrungsmäßig sehr günstig: offene sumpfige Niederungen, kahle Berghänge, unbewaldete Hochflächen mit naßem Boden und dergl., solche Plätze werden geradezu als»Gewitterherde« bezeichnet. Der feuchte, heiße Luft- strom, welcher an Sommertagen von jenen sich erhebt, läßt bei seiner Abkühlung oben die dunkeln, schweren Wolken entstehen, aus welchen Blitz und Hagel hervorzubrechen vermögen. Die Auf- forstung größerer Blößzen wie die Bewaldung von Mooren muß deshalb einen mildernden Einfluß auf die Schädlichkeit und Häufigkeit der Gewitter ausüben, zumal die Forstgewächse weniger Wasserdämpfe an die Luft abgeben als ein Wiesen- oder Kleefeld ³), wie sie andererseits geringere Ansprüche an die Bodenfeuchtigkeit stellen als dieses. Außzerdem steht gerade in den heißesten also gewitterreichsten Monaten die Temperatur im Wald am erheblichsten zurück hinter der des Freilandes; somit kann sich im Walde niemals ein solcher aufsteigender feuchtwarmer Luftstrom ausbilden wie auf einer offenen Fläche, und wie er zur Gewitter- und Hagelbildung notwendig ist. So erklärt es sich also, daß Hagelschläge, ja Gewitter überhaupt, in gut bewal- deten Gegenden weit seltener vorkommen als in schlecht bestandenen oder waldlosen Gebieten. Ebenso, daß infolge der Entwaldung von Bergrücken solche Flächen, welche früher von Hagel fast ganz verschont waren, Jahre lang von verheerenden Unwettern heimgesucht wurden, und daß diese aufhörten, sobald der schützende Forst wieder nachgewachsen war ¹⁴).

Daß der Wald die Heftigkeit der Winde mildert, wie eine Mauer gegen Orkane wirkt, ist eine bekannte Sache. Die Folge der Abholzungen im Westerwalde waren heftige, rauhe, austrocknende Winde. Nachdem man das ganze Gebiet vor ca. 70 Jahren nach einheitlichem Plane mit Baumstreifen durchzogen hatte, machten sich überall die günstigsten Wirkungen geltend). Im Gegensatze hierzu trat seit der Vernichtung der Forste in der Provence der Mistral in seiner verheerenden Gewalt auf), und hat im Karst-Gebiete sich die wütende Bora

¹) Mitteil. aus d. forstl. Versuchswesen Oestr. 1894. ²) Zeitschr. d. preuß. statist. Bureaus 1886.

³) Ebermayer.

¹) Petersen.

) v. Genth.

6) v. Löffelholz.