lich größer wie jener. Was verursacht den bedeutenden Unterschied? Abgesehen von den ver- hältnismäßig geringfügigen Steuern: Arbeitslohn in der Form von Gehältern, von Aufwand für Saat, Pflanzung, Pflege, Schutz, Durchforstung, Fällen, Aufarbeiten des Holzes, Unterhaltung der Wege u. s. w. Alles, was hierfür ausgegeben wird, ist ja für den Einzelunternehmer»verloren,« nicht für die Gesamtheit. Diese Ausgaben kommen Tausenden und aber Tausenden von Arbeitern zu gute, welche hierdurch ihren Lebensunterhalt finden, und zwar in einer die Volks- kraft ganz anders hoch haltenden Weise als es Fabrikarbeit vermag.— Zur Veranschaulichung dieser Kosten sei wieder der Frankfurter Wald herangezogen. Bei diesem belaufen sich dieselben ebenfalls auf ca. 6 M. per Morgen jährlich, d. h. selbst der Rauhertrag würde hier ein Betriebs- ergebnis(im weiten Sinne) von noch nicht 2% darstellen. Khnlich verhält es sich in den Staats- forsten. Wir kommen zu dem Schlusse, daß selbst bei Verrechnung des gesamten Brutto-Erlöses die Waldrente eine sehr geringe ist.
Es müssen andere Gründe vorhanden sein, welche die Erhaltung des Waldes so wertvoll erscheinen lassen, daß er noch ein volles Viertel von Deutschlands Fläche einnimmt.
Das natürliche Gefühl empört sich schon gegen die Zumutung, unser Stadtforst solle abgeholzt und der Boden landwirtschaftlich ausgenutzt werden, weil er dann mehr einbringe— was wäre Frankfurts Umgebung, was wären die deutschen Berge ohne Wälder? Überall, wo eine Gemeinde solche Flächen, welche vorher wüste dalagen, mit Bäumen bepflanzt hat, wie z. B. Halberstadt vor 40 Jahren, wurde der Gegend ein Schmuck verliehen, und wurde nicht allein dem augenblicklichen, sondern auch kommenden Geschlechtern eine Quelle der Erholung und Erfrischung in der Natur geschaffen.
Aber nicht bloß ethische Rücksichten, sondern auch sehr greifbare Gründe sprechen hier mit. Zuvörderst haben wir zu dem Betriebs-Ergebnisse des Waldes noch die s. g. Neben- Nutzungen nachzutragen, welche— wie schon ihr Name sagt— hinter die Hauptnutzung(an Fällungsholz) zurückgestellt werden, aber keineswegs gering zu achten sind. Daß viele Waldungen an Lohrinde, Teer, Pech, Bucheckern eine nicht zu unterschätzende Einnahme bringen, macht sich schon geltend im Gesamt-Etat; andere bieten durch die(Eichel-) Mast den angrenzenden Dorf- gemeinden eine willkommene Unterstützung, welche um so bereitwilliger gewährt wird, als die Forstleute das Eintreiben der Schweine gerne sehen. Man erblickt in den letzteren Vertilger der Mäusel¹), welche im Winter durch Benagen der jungen Triebe großen Schaden anzurichten vermögen. ²) Wenn auch das s. g. Raff- und Leseholz, Beeren, Pilze, Kräuter, Waldfrüchte und Gras-Samen meist unentgeltlich entnommen werden, so erreicht doch der Wert dieser»Ernten« in nicht seltenen Fällen den der Hauptnutzung, ja übertrifft ihn sogar. ²) In einer Oberförsterei bei Eberswalde betrug der Erwerb von armen Leuten bloß an Beeren und Pilzen in einem Sommer— gering veranschlagt— 11 M. pr. ha.¹) Es fällt hierbei noch besonders ins Gewicht, daß die Neben-Nutzungen Gelegenheit zu Arbeitsverdienst in sehr großem Umfange für solche Personen ergeben, denen es an anderer Möglichkeit zur Verwertung der Arbeitskraft mangelt. Der Greis wie das Kind können beim Sammeln von kleinem Holz und von allen jenen Wald- früchten ihre Kräfte anwenden und ihren Unterhalt wenigstens zum Teile sich verdienen. Es ist ferner eine volkswirtschaftlich sehr zu beachtende Seite der forstlichen Bodenbenutzung, daß sie die Arbeit meist zu einer Zeit bietet, wo die Landwirtschaft ruht. Anpflanzungen werden vor- zugsweise im späten Herbst, Fällungen im Winter vorgenommen.
¹) G. Heyer.
²) Borggreve.
³) v. Hagen. Die forstlichen Verhältnisse Preußens, I. Band. ¹) Danckelmann.


