Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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2 die Provinz Hannover gar nur 5 M. ¹), für die preußischen Staatsforsten im Durchschnitt 9 10 M. pro ha ²)(d. h. 2 M. pro Morgen.) Die bayrischen) und andere deutschen Staatswaldungen rentieren meist noch lange nicht mit 1%. Daßs der Ertrag in der Neuzeit nicht gestiegen, sogar im Fallen begriffen ist, dazu wirkten verschiedene Ursachen mit. Die zunehmende Ver- wendung der Mineralkohle sowie des Steinöls und ihrer Produkte als Heizmaterial, der steigende Ersatz des Bauholzes, insbesondere des Eichenholzes für Schiffsbau durch Eisen, die Verwendung des letzteren zu Bahnschwellen, Telegraphenstangen u. S. W., die bei Erweiterung der Ver- kehrsmittel erleichterte Masseneinfuhr von Nutzholz haben die Nachfrage nach inländischem Holze sehr herabgedrückt und die Waldrente erniedrigt 4). Es ist ja selbstverständlich, daß unter ausnahmsweise günstigen Umständen, also auf besonders gutem Boden, oder wenn ganz in der Nähe vorteilhafte Absatzgelegenheit von Nutzholz vorhanden ist, z. B. für Grubenholz zum Auszimmern von Bergwerken daß dann die Verzinsung eine höhere ist. Der höchste mir bekannt gewordene Ertrag ist der von den sächsischen Kammerwaldungen im Jahre 1886 mit 72 M. pro ha.(während die übrigen Staatsforste gleichzeitig 44 ½ M. ergaben). Solche Ein- nahmen sind jedoch nur in einzelnen Jahren möglich und geschehen in diesen auf Kosten der

folgenden. Außerdem ist die hohe Rentabilität jener Forste welche zusammen noch nicht so groß sind wie die des Regierungsbezirkes Potsdam eben eine Rentabilität der Lage. Aber

der Durchschnittsertrag von den Forsten großer Länder wird so niedrig, weil er hauptsächlich peeinflußt ist von den überwiegenden Flächen geringer Güte; ferner, weil die Verwertung des Holzes meist einen weiten schwierigen Transport erheischt, welcher einen ansehnlichen Teil des Erlöses aufzehrt. Endlich darf nicht übersehen werden, daß alljährlich große Forstgebiete durch Wind- und Schneebruch, durch Rauhfrost und Erfrieren, durch Insektenfrabs und mancherlei Krankheiten schwer geschädigt werden und dadurch der Gesamtertrag herabgedrückt wird. Angesichts dieser Sachlage drängt sich der Gedanke auf: sollte unser Waldbau nicht ein- geschränkt, könnte das in ihm steckende riesige Kapital nicht zum Teile wenigstens besser angelegt werden? Gegen eine solche Umwandlung werden diejenigen stimmen, welche einen in abseh- barer Frist bei uns eintretenden Steinkohlenmangel fürchten, und die Zeit nicht mehr ferne sehen, in welcher Deutschland seinen Holzbedarf selbständig decken muß, weil es nicht mehr von außen beziehen kann); dafür aber sind solche, welche die Zweckmäßigkeit und Berech- tigung eines Betriebes nach seinem finanziellen Ergebnisse beurteilen. Landwirtschaftlich benutzter

Boden liefert nach den preußischen Steuerlisten über dreifachen Ertrag(aber nicht zu vergessen! bei durchschnittlich höherer Bodengüte). Daß vom Standpunkte des Privateigen-

tümers der Waldbesitz im allgemeinen als ein sehr wenig lohnender erscheint, ist außer Frage und war Anlaß, daß ungezählte Quadratmeilen Forst ausgerodet und urbar gemacht worden sind; nicht etwa bloß in der»neuen Welt«, sondern auch in den europäischen Staaten, und zwar bis in die heutige Zeit hinein. Von 1868 bis 1878 hat sich die forstlich benutzte Fläche in Preußen allein um 100 000 ha, d. h. um 1,28% vermindert.

Anders stellt die Frage sich dar vom Standpunkte der Volkswirtschaft. Da lautet sie nicht einfach: wie hoch ist der bare Reinertrag? Da kommen weitergehende Erwägungen zur Geltung. Hier spricht ein gewichtiges Wort auch der Rauhertrag. Der ist beim Walde wesent-

¹) v. Berg.

²) Borggreve. Donner.

³) Ganghofer.

) Minister Lucius.

) Forstwissensch. Centralblatt 1889; Zeitschr. für Forst- u. Jagdwesen 1894.