Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes.

Der nächste Zweck des Waldbaus ist selbstverständlich die Gewinnung von Holz, und die Wichtigkeit eines dauernden Vorrats an solchem wurde auch zu allen Zeiten erkannt. Schon vor mehr als tausend Jahren erfreuten sich die Wälder eines Schutzes durch die Staatsgewalt; ¹) Karl der Grobse erließ Verordnungen, aus welchen hervorgeht, daß ihm das Gespenst des Holz- mangels vorschwebte ²), und spätere Kaiser sowie Landesfürsten folgten ihm mit strengen Wald- ordnungen nach ³). Im vorigen Jahrhundert wurden an der Universität Heidelberg Vorträge gehalten,»über die Mittel, dem Brennholzmangel abzuhelfen«. 4) Heutzutage, wo wir unser Nutzholz großenteils vom Auslande beziehen, wo die Kohle mehr und mehr das Holz als Brenn- material ersetzt, erscheint diese Frage nicht mehr dringend.

Nun besitzt aber Deutschland 14 Million Hektaren Forst, und der Wert desselben müßte nach Milliarden angegeben werden; Lehr schätzt ihn auf zehntausend Millionen Mark. 5) Bei einem so ungeheuren Kapitale liegt die Frage nach der Rentabilität desselben nahe. Wählen wir als gewiesenes Beispiel den Frankfurter Stadtwald. Derselbe gab im letzten Jahrzehnt eiuen Reinertrag von durchschnittlich 28 bis 29 M. pro Hektar, d. h. noch nicht 6 M. pro(Frank- furter) Morgen. Wird der Bodenwert eines solchen Morgens in unserer Gemarkung zu 300 M. (rund) angenommen wie es amtlich geschieht(Sachverständige bewerten ihn noch höher) so ergiebt sich die geringe Verzinsung mit ca. 2% des Bodenkapitales. Diese Rechnung wäre aber falsch, denn sie läßt den Wert des Waldbestandes selbst außer Acht. Solche Nichtberück- sichtigung ist ebenso wenig statthaft wie bei der Rente eines Hauses. Niemanden wird es in den Sinn kommen, den Mietsertrag eines solchen bloß auf den Wert des Bauplatzes prozentisch auszuschlagen. Der Holzvorrat ist aber vollständig das Seitenstück zu dem Gebäude, und der Kapitalwert von beiden hat die gleiche Berechtigung im Ansatz aufzutreten. Rechnen wir demgemäß den Waldbestand selbst ebenfalls zu 300 M. pro Morgen nach forstlichen Regeln ein mälziger Anschlag für Frankfurt 6) so kommen wir auf einen Waldwert von 300+ 300=600 M. pro Morgen, und die Nettorente von 6 M. davon bedeutet eine Verzinsung von 1% des Kapi- tales(Boden samt Bestand). Dieser Ertrag ist noch günstig gegenüber den Betriebsergebnissen größerer Forste. Dieselben sind z. B. für den Regierungsbezirk Wiesbaden 14 M. pro ha?), für

*) v. Berg.(Geschichte der deutschen Wälder).

²) Gustav Heyer.

³) Forstwissensch. Centrallblatt 1889 und 1894.

) Dr. Medicus.

*) Handbuch d. Forstwissensch. v. Prof. Lorey. 1888.

*) Die Umtriebs-Periode beträgt hier durchweg 120 Jahre; schöne Stämme werden übergehalten auf die doppelte Zeit.

*) Allgem. Forst- u. Jagdzeitung 1891.

Wöhlerschule 1895. 1