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stellern nicht an Belegen dafür fehlt, dass palus auch schon von den Römern vereinzelt in militär-technischem Sinne gebraucht worden ist.*)
Mit der Bedeutungs-Erweiterung zu Grenzpfahl aber hängt zusammen, dass das Wort „Pfahl“ jedenfalls schon ziemlich frühe eine gewisse rechtliche Bedeutung bekommen und behalten hat.**)
Wurde doch auch von den Römern den Grenasteinen selbst göttliches Wesen zu- geschrieben: „Termine, sive lapis, sive es defossus in agro Stipes, ab antiguis lu quoque numen habes.“**ε*)
„Sind denn nun,“ so fragen wir weiter,„Pfähle am limes nachgewiesen?“
Der inzwischen verstorbene Apothekenbesitzer Kohl in Weissenburg a. S. ent- deckte schon 1894 als Mitglied der Reichslimescommission am rätischen lmes auf einer 10 km. langen Strecke Reste eines starken Pfahlwerks, 1,2 bis 1,8 m. tief unter dem Boden, die hier und da als Föhrenholz zu erkennen waren. In halbkreisförmigem Querschnitt unten abgesägt, etwa 30 bis 35 cm. stark, stehen diese Pfahlreste in Abständen von 15 bis 25 cm., selten weiter, in gerader Linie fortlaufend, nebeneinander in dem oben erwähnten Grenzgräbchen. Die Stärke der Pfahlreste, die dazu noch bisweilen durch Querhölzer miteinander verbunden sind, lässt darauf schliessen, dass man es mit einem starken, hoch aufragenden Palissadenzaun zu thun hat. Dass die Querhölzer zwecklos sein würden, wenn es sich nicht um hoch über den Boden ragende Pfähle handelte, †) lässt sich deshalb nicht ohne weiteres zugeben, weil m. E. durch eine derartige Verbindung der Pfähle an vielen Stellen nicht zum wenigsten beabsich- tigt gewesen sein kann, ein Herausziehen der Pfähle völlig unmöglich zu machen. ††)
So hat sich denn die mit der Bezeichnung Pfahl im Zusammenhang stehende Annahme, dass die römische Reichsgrenze gegen die Germanen durch einen hohen Palissadenzaun kennt- lich gemacht war, auf der ganzen Strecke des limes vollauf bestätigt. Die starken Holz- balken, die, nach den vorhandenen Löchern zu schliessen, in Anwendung kamen, weisen hin auf Befestigungsanlagen, die für lange Zeit zum Zwecke des Grenzschutzes und der Grenz- überwachung geschaffen waren, und mehrere Generationen hindurch wird diese Grenzbarrikade in ihrer vollen Bedeutung den Germanen vor Augen gestanden und eine ihrer Sprache ent- lehnte Bezeichnung erhalten haben. ††)
„Wäre nun,“ wendet Ohlenschlager ein,„die Bezeichnung Pfahl nirgends anders- wo als an der römischen Grenzlinie angewandt worden, so könnte man sich mit der Ableitung vom lateinischen palus zufrieden geben, obwohl auch dann die singulare Benennung der Pfahl statt des Plurals die Pfähle oder Grenzpfähl auffallen müsste.“
Ich bleibe bei dem zweiten Einwand stehen. Wenn auch die singulare Bezeichnung der Pfahl am weitaus häufigsten vorkommt, so fehlt doch auf der andern Seite die Verbindung mit dem Plural nicht. So ist bei den Bewohnern des Dorfes Kahldorf die Bezeichnung Pfähl üblich, und in Flurnamen kommt neben Pfahläcker auch die Form Pfählfeld vor.
*) Veget. II, 25: habet(degio) ad fossarum opera facienda bidentes, ligones, palas, rutra. alveos, cojinos, gquibus terra portetur. Habet quoqgue dolabras, secures, ascias, serr 1 quibus materies ac pali dedolantur alque serrantur.(Vgl. Neue Jahrb. f. d. kl. Altert. 1898. S. 280. Anm.
**) Vgl. Pfahlgericht, Pfahlbürger u. a.— binnen sinem äse unde hove, dat is binnen sinen veer palen; — in seinen vier pfehlen bleiben.—
Ein jeder ist Monarch
In seines Hauses Pfählen.
Es sei denn, dass sein Weib
Sich neben ihm will zählen. Logau.
*ri) Jacob Grimm war geneigt, den Namen„Pfahl“ von dem germanischen Gotte Pohl(Baldur) her- zuleiten.(Mythol. 205 ff. u. 975.) Ob ein Zusammenhang besteht, wage ich zunächst nicht zu entscheiden. Viel- leicht weist die mir aus Hainbach, Kr. Alsfeld, mitgeteilte Erzählung darauf hin, derzufolge dort nachts in einem bestimmten Feld der„Pfahlhut“ umgehe.
†) Hettner, Arch. Anz. 1894, S. 154; Zangemeister a. a. 0. S. 77.
† †) Caes. d. b. Gall. VII, 73, 3:„huc illi stipites demissi et ab Lhe rerineti, ne revelli possent, ab ramis eminebant““
† † ††) Vgl. Popp. Westd. Zeitschr. 1894, S. 219 ff.


