Teil in volkstümlicher Weise den Ursprung oder die äussere Beschaffenheit, Haag, Hecke da- gegen deutet schon auf einen Verhau, eine Umzäunung hin.*)
„Welche Bezeichnung für die Grenalinie,“ fragen wir weiter,„gab es nun früher?“
Vom 8—12. Jahrhundert finden sich die Formen: Poll, Pale, Pal, Phal, vom 14. Jahr- hundert an: Pfahl, Pfal, Pfall, Pfalle, Pohl, Pol, Poll, Pfohl, Pfoll, Pfolle. Rohl; im 15., 16., 17. Jahrhundert kommen die Bezeichnungen Polereyne, Polreg, Polri, Pfallrain, Pfohlrain, Pfohlreyn, Pohlnreyn, Polgrab u. a. auf. Nebenbei bemerkt findet sich die Anfügung von Graben nachweislich zum erstenmal 1409 in der Form palgrabe; doch schliesst dies nicht aus, dass sie bereits erheblich früher mündlich im Gebrauch gewesen ist.
Weitaus die meisten der hier nach 0 hlenschlager angeführten Bezeichnungen für limes deuten demnach hin auf Pfahl, dialektisch Pohl oder Pehl.
Unser nhd. Pfahl**) nun ist dasselbe wie ahd. pal, mhd. pfäß, ndl. paut, angls. pal. frz. pal, engl. pole, pale.***)
Obwolil nun ahd. pal und nhd. Pfahl ursprünglich dasselbe ist wie lat.„alus, das, wie poslis Pfosten, die hochdeutsche Verschiebung durchgemacht hat, kann die Benennung nicht
römisch sein, da die Pfähle, welche in den Lagerw all eingerammt sind und eine Pallisaden- kette bilden, nicht„ale, sondern sudes oder valli heissen, wofür auch oallum und in derselben Kollectivbedeutung vallus, das Schanzwerk, die aus Holz, Erde oder Stein gebildete Ver- schanzung, vorkommt.
Dies führt mich zur Ansicht Zangemeisters, die er gelegentlich des am 15. Jan. 1895 zu Heidelberg gehaltenen Vortrags: Der obergermanisch-rätische Limes ausführlich dargelegt hat.
Er geht dabei aus von dem Worte Pfahl in dem Grimm'’schen Wörterbuche VII (1889) Sp. 1598, wo M. v. Lexer sagt, Pfahl sei vielleicht nur geschärfte Aussprache für oall= Wall vom lat. oallus, pallum. Als ältesten Namen der römischen Grenzschranke fasst er das im 8. Jahrhundert nachweisbare fal oder fatt auf, für das später die Schreibung phal, pal, pfal, pfall aufkommt.
Da nun Zangemeister selbst die Erörterung der Frage, wie diese Thatsachen sprachlich zu erklären seien,— und darauf kommt es doch m. E. in erster Linie an— der weiteren Untersuchung der Linguisten überlassen muss, so kann ich über den sprachlichen Teil seiner Ausführungen um so leichter hinweggehen, als gerade von den competenten Ge- lehrten, den Sprachforschern, keiner auf eine derartige Ableitung verfallen ist oder, um mit Zangemeister zu reden,„das Richtige“ angenommen oder bewiesen hat.„Jacob Grimm, Weigand, Henning und Heyne haben andere Ableitungen für richtig erklärt,“ gesteht er selbst,„Klug ge übergeht sie ganz mit Stillschweigen, und Lexer gibt sie als Vermutung mit einem„vielleicht“ ohne Beweis.“ †)
Die Form Falheim aus dem Jahre 784, mit der Bezeichnungen wie Fallbach, Falbach, Phulbach in sprachlichem Zusammenhang stehen sollen, kann meiner Meinung nach den zahlreichen Benennungen Phal, Pal, Pale, Poll, Pfahl, Pfal, Pfall, Pohl, Poll,. Pfohl, Pfolle, Polrey, Pofri, Polereyne., Pfalfruin, Pfohlrain, Pohlreyn. Pfohlreyn a. u. gegenüber das Feld nicht behaupten, zumal auf die Orthographie nicht allzuviel Gewicht zu legen ist, da in den Urkunden für Ph oft einfach gleichlautendes F steht. Die mit Bach zusammengesetzten Bildungen aber (Fallbach, Falbach, Phalbach) sind deshalb kaum beweiskräftig, weil sie sich oft genug in Gebieten finden, die von den Römern nie berührt wurden. Fallbach bedeutet vielfach nichts anderes als Abfallbach, woraus vielleicht in der Laubacher Gemarkung Aeppelsbach wurde.
*) Hag(mhd. hac, ahd. hag, Engl. haw) bedeutet Dornbusch, Umzäünnung, Gehege, Verhack, Verhau(vgl. behaglich, hegen und pffegen), falls nicht die Bezeichnung, was weniger wahrscheinlich ist, mit Haag= Hügel, Anhöhe zusammenhängt, für das sich die mundartliche Form haug oder hauk findet. haugr(whoch“) heisst alt- nordisch Grabhügel.
**) Historisch wäre zu schreiben Pfal, da das a von Natur lang und h demnach unnötiges Dehnungs- zeichen ist. Mit dem Pol an der Erd- und Himmelsaxe hat unser Wort nichts gemein, da Pol aus dem griechischen „70 der Wirbel, die Achse, die Angel stammt. aus dem lateinisch polus wurde.
*r) Vgl. dialektisch Pohl und Pehl für den Singular in verschiedenen Teilen der nördlichen Wetteran.
†) Zangemeister a. a. O. S. 92.


