Aufsatz 
Die Ableitung des Wortes "Pfahl" als Bezeichnung des limes / von Reinhard Walz
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Limes, das mit lmus= quer und himen, die Schwelle, Thürschwelle(Querstein), die Grenzmark, die Grenze(cf. Horat. III, 4,10: erlra limen Apuliue) zusammenhängt, bedeutet zunächst Querweg(im Gegensatz zu der ins Land führenden Strasse), Grenzlinie, Grenze und übertragen den in bestimmter Richtung verlaufenden Weg und wird besonders gebraucht von künstlichen Grenzlinien. Dies beweisen, abgesehen von den Zeugnissen der Schriftsteller, die Ilinerarien oder Reisekarten z. B. das Iüinerarium prowinciarum Anlonini dugusli, das in Cara- callas Zeit(211 217) entworfen und später unter Diokletian überarbeitet wurde. Mommsen:*) hat den Begriff des Limes noch genauer bestimmt, indem er sagt:Der Limes ist keine Grenzlinie, sondern ein Grenastreifen und fordert eine gewisse Breite. Nach Soldans und Jacobis schönen Entdeckungen liegt der befestigten Linie, welche bald durch einen Wall mit Graben, bald durch einen Steindamm gebildet wird, nach dem Ausland zu in einer Entfernung von durchschnittlich 6 Meter eine Linie vor, die heute äusserlich, gar nicht mehr zu Tage tritt; die in den auf dieser Linie gezogenen, aber sofort wieder verschütteten Graben eingesenkten Merkzeichen haben auf bedeutenden Strecken uns den Lauf derselben kennen gelehrt. Die durch Merkzeichen angegebene Linie ist, wie die Entdecker annehmen, die äussere Grenze des römischen Reichs, zunächst aber die des limes, während die innere durch den Wall gegeben, oder auch hinter demselben zu suchen ist. Wall und ausgesteinte Linie sind correlat und wesentlich gleichzeitig.

Es darf demnach als feststehend betrachtet werden:

1. künstliche, gegen die Barbaren angelegte Grenzlinien heissen limites. So hören wir von einem limes Africanus, Libycus, Scythicus, Illyrici u. dergl. Wenn Zangemeister sagt:vallum war der offizielle Name der römischen Grenzschranke nachweislich in Britannien, gewiss aber auch am Rhein und an der Donau, so beruht diese Annahme, soweit sie sich auf den obergermanisch-rätischen Limes bezieht, nicht auf quellenmässiger Grundlage und ist vielleicht dadurch entstanden, dass vallum oft explicativ zu dem weniger verständlichen Begriff limes gesetzt wird, wie es z. B. im Itinerarium Antonini heisst:a limite, id es! à rallo. Praelorio usque.

2. Die Grenzlinie gegen Obergermanien hiess: hmes Germanide oder Transrhenunus, die, welche Rätien von den Barbaren schied, limes Kaeticus oder Raeliae. Dies bezeugt Trebellius Pollio, sowie Vopiscus in seiner Lebensbeschreibung des Kaisers Tacitus (275 276), der besonders mit Alanen und Gothen zu kämpfen hatte. Ausdrücke wie limes Hanubianus, dekumulischer limes, vallum Hadriani sind gelehrte Bezeichnungen aus neuerer Zeit.

3. Ein limes war oft durch slipites, Pfähle, befestigt. Dies beweisen, abgesehen von Spartianus, Ausdrücke wie: limitem scindere*) limilem rumperer*) u. a. Jene slipiles, von denen Spartianus spricht, sind der auf Befehl Hadrians als Grenzbarrikade gegen die Germanen angelegte Palissanenzaun.

Da es nun selbstverständlich ausgeschlossen ist, das WortPfahl mit der gebräuch- lichen römischen Bezeichnung limes in sprachlichen Zusammenhang zu bringen, so fragen wir zunächst:Wie wird die römische Grenzlinie heute genannt?*

Die Bezeichnung Pfahl(Pfal) mit den dialektischen Nebenformen Pohl, Pol, Pähl und zahlreiche damit gebildete Zusammensetzungen haben die weiteste Verbreitung auf der ganzen Strecke von Regensburg bis Rheinbrohl. In Bayern wird öfters der AusdruckTeufelsmauer gebraucht, weil hier der Wall auf grössere Entfernungen hin aus aufgeschütteten Steinen besteht; doch ist diese Bezeichnung wahrscheinlich jüngeren Ursprungs, und wo sie geläufig ist, ist auch der Name Pfahl für anliegende Fluren zu finden.) Die übrigen heute vor- kommenden Ausdrücke: Heidengraben, Landgraben, Römergraben, Schweinsgraben, Saugraben, Pfaffendamm, Dammsweg, Haag, Heerhaag, Heerhecke, Landhege, Landhecke, bezeichnen zum

*) Westd. Zeitschr. XIII, S. 134 ff.

**) Caes. de bell. Gall. III, 5,2:Cum iam amplius horis sew continenter pugnaretur ac non solum vires, sed etiam tela nostros deficerent atque hostes aerius instarent languidioribusque nostris vallum scindere el Jossas complere coepissent,....

*) Vopisci Tacitus c. III:nam limitem Transrhenanum Germani rupisse dicunltur.

) Ohlenschlager a. a. O. S. 64.