Aufsatz 
Die Ableitung des Wortes "Pfahl" als Bezeichnung des limes / von Reinhard Walz
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Mu dem Augenblicke, als man in Deutschland an die wissenschaftliche Erforschung des Limes herantrat, hat auch die Frage nach der Ableitung des gleichbedeutenden Wortes Pfahl an Interesse gewonnen; sie ist dann mit dem Beginne der Thätigkeit der Reichs- limescommission in ein neues Stadium getreten, ohne dass es bis jetzt gelungen wäre, sie endgültig zu entscheiden.

Da es nun aber gerade für uns, die wir auf Schritt und Tritt daran erinnert werden, dass Friedberg auf römischem Grund und Boden emporwuchs, die wir im Westen, Norden und Osten vom Pfahlgraben eingeschlossen sind und besonders im Taunus noch stundenweit seine wohlerhaltenen Reste verfolgen können, nicht ohne Wert ist, einer Streitfrage gegenüber Stellung zu nehmen, die mit der Bedeutung der ganzen Anlage aufs innigste verknüpft ist, 80 versucht es der Verfasser, angeregt durch zwei in den letztéen Jahren erschienene Abhand- lungen von Professor Ohlenschla ger: Der NamePfahl als Bezeichnung der römischen Grenzlinie und Oberbibliothekar Zangemeiste r in Heidelberg: Der obergermanisch-rätische Limes,*) die in mannigfacher Beziehung beachtenswerte Frage, wenn auch nicht aus der Welt zu schaffen, so doch ihrer Lösung um mehr als einen Schritt näher zu bringen.

Die Ueberreste des römischen Grenzwalles in Deutschland so beginnt Ohienschla ger werden im grössten Teile seines Verlaufs vom Volksmund mit dem NamenDer Pfahl be- zeichnet, und die Gelehrten führten diese Bezeichnung meist auf das lateinische Wortalus, der Pfahl, zurück, indem früher vorhandene Grenzpfähle oder Palissaden diesen Namen ver- anlasst hätten.

Diese Ansicht vertreten: Vates,ein Hauptkenner der pritannischen Grenzanlage und der Verfasser der ersten Gesamtbeschreibung des Pfahlgrabens in Deutschland, Wei- gand, Hess. Arch. VII,(1853) S. 302 und Wörterbuch II,(1876) S. 331; v. Cohausen, Grenzwall 1884, S. 324; Henning, Westd. Zeitschr. 1889, S. 299; Heyne, Wörterbch. II,

1892) Sp. 1124, sowie von gegenwärtigen oder früheren Mitgliedern der Reichslimescommission: ohl, Limesblatt Sp. 302; Eidam, Limesblatt Sp. 388; Popp, Westd. Ztschr. XIII, S. 219 u. a.

Zangemeister dagegen leitet das Wort Pfahl ab von dem lateinischen nallus, der Schanzpfahl, bezw. vallum, der Wall, die Verschanzung, während Ohlenschlager den Be- weis, dass in dem Worte Pfahl an sich die Bedeutung der Erhöhung enthalten war, dass man also nicht nötig hat, dessen Herkunft auf ein lateinisches Wort zurückzuführen, auf spätere Zeit verschieben will.

Die mit Pfählen im Zusammenhang stehende Ableitung des WortesPfahl bezw. Pfahlgraben lässt sich nun m. E. mit dem derzeitigen Stande der Limesforschung sprachlich und sachlich vollständig in Einklang bringen.

Fragen wir zunächst:Welches ist die überlieferte offizielle Bezeichnung der Römer kür die obergermanisch-rätische, sowie für ähnliche Grenzwehren überhaupt?, so lautet die Antwort:hmess. Als Quelle dienen uns die sog. scriplores hisloriae Auguslae. Unter den Verfassern dieser von einem Unbekannten zusammengestellten Biographien befindet sich Aelius Spartianus, der in seiner Lebensbeschreibung des Kaisers Hadrian c. 12. sagt: per eu lempora et alias frequenter et in plurimis locis, in quibus barbari non fluminihus, sed Vimitibus diriduntur. stipitibus mugnis in modum muralis saepis funditus iaetis algque cunneris barbaros separuvil.**)

*) Vortrag gehalten zu Gunsten des badischen Frauenvereins zu Heidelberg am 15. Jannar 1895.(Beide Abhandlungen Neue Heidelb. Jahrb. 1895).

**) In ähnlichem Sinne erzühlt Frontinus Strateg. I. 3. 16(cf, Limesblatt Sp. 646) von Domitian: eum Germani more suo e saltabus et obscuris latebris, subinde impugnarent nostros... limitibus per centum riginti milia passuum aetis non mutarit tantum statum belli. Se....