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kein Moment feſtgehalten werden kann. Darum hört auch die Thätigkeit der Nerven unmittelbar darnach auf. Der Hinweis auf einen beſtimmten Punkt giebt derſelben erſt wieder eine neue Anregung, und dieſe erſcheint als der ſtärkere Eindruck im Vergleich mit den vorhergegangenen. Die Aufmerkſamkeit wird rege und zeigt den Weg, den der Geiſt zu betreten geneigt iſt. Dieſer Thätigkeit der Sinne folgt die Arbeit des Geiſtes unmittelbar nach: er legt Eigenſchaften und Form bei und ordnet die Verhältniſſe und Beziehungen. Die gewonnenen Punkte werden räumlich verbunden, Vorſtellungen gebildet, welche ins Bewußtſein treten, wobei letzteres die Umgebung forſchend durchwandert, um neue Beziehungen zu entdecken.— Nach einem derartigen neuen Erkenntnisprozeſſe iſt ſtets eine gewiſſe Vollendung erreicht, welche vorläufig als fertiges Ganze betrachtet werden muß. Dieſe fertige ein⸗ heitliche Vorſtellung des Gegenſtandes, ſeiner Merkmale und Beziehungen iſt das, was man heute eine Anſchauung nennt; ſie tritt ſtets als Ganzes ins Bewußtſein mit allem, was ſich an ſie knüpft. Durch die Thätigkeit des Gedächtniſſes und der Üüberlegung wird ſie fortwährend ver⸗ beſſert und erweitert. Die Reproduktion einer Einzelvorſtellung dieſes Vorſtellungskreiſes iſt nicht möglich, ohne daß auch alle andern ins Bewußtſein folgen und zwar genau in den bei der Aneignung maßgebend geweſenen Verhältniſſen und Beziehungen. Dieſe unverwiſchbaren Gruppen verarbeitet der Geiſt mit Hülfe der Phantaſie und ſtellt durch Kombination und Abſtraktion neue Anſchauungen her. Die Sinnenthätigkeit allein wirkt alſo nicht in dem Maße auf das Weſen der Anſchauung ein, als man zu glauben geneigt iſt; das Gemüt thut mindeſtens ebenſoviel. Gerade der gemütlichen Ver⸗ wertung wegen iſt es notwendig, daß das Kind von dem Erwachſenen auf neue Zuſammenhänge hin⸗ gewieſen wird, damit der Geiſt ſtets neue Arbeit findet, und das iſt auch der Grund, warum der Anſchauung eine ſo große Bedeutung im Unterrichte zukommt. Für die Praxis ergeben ſich aus dieſer pſychologiſchen Auffaſſung der Anſchauung manche neue Winke, deren Beachtung von bedeutſamen Folgen iſt. Das Anſchauungsobjekt muß immer wieder vorgeführt werden, bis man ſich überzeugt hat, daß die Kinder ein feſtes, deutliches Bild aufgenommen und alle Verhältniſſe und Beziehungen gründlich erfaßt haben. Große Vorſicht iſt bei der Auswahl der Objekte geboten, da die Jugend an alltäglichen, trivialen Dingen kein Intereſſe hat und damit gelangweilt wird. Es lohnt ſich deshalb auch nicht, bei jedem Gegenſtande die gebräuchlichen trockenen Beſchreibungen vorzunehmen, die den Kleinen ſo raſch zuwider werden. Inhaltsleere Dinge können nie die Grundlage der Erkenntnis ſein. Die Kinder haben nur an den Vorſtellungen Freude, welche Verſtand und Gemüt anregen. Es iſt deshalb ſehr zu empfehlen, nur für den Anfangsunterricht wirkliche Gegenſtände der nächſten Umgebung zu wählen und dann zur mittelbaren Anſchauung vom Bilde überzugehen, zur Gruppe; denn ſie bietet neben dem Gegenſtande ſelbſt zahlreiche Verhältniſſe und Beziehungen, welche tief in das Gemütsleben des Kindes eingreifen,(Winckelmanns und Leutemanns Gruppen) nur hier finden ſich Objekte, welche Intereſſe erwecken, zahlreiche Züge ſittlichen und religiöſen Lebens unter ſcheinbar ſehr realem Außern enthalten und vorzüglichen Sprachſtoff abgeben. Sie bieten dem Kinde neue Gedanken über die Welt, in der es ſich bewegt; nicht einzelne Objekte ſondern wirkliche Lebensereigniſſe, wie es ſie ſelbſt erfährt, lernt es verſtehen. Welcher Art die Thätigkeit des Lehrers dabei ſein muß, bedarf keiner Darlegung.
Der Anſchauungsunterricht iſt bis in die neueſte Zeit als ſelbſtändiger Lehrgegenſtand be⸗ trachtet worden. Eine Änderung trat erſt ein, als man das Prinzip der Konzentration auf dieſe Dis⸗ ziplin anwandte.— Die Pflege der Sprache iſt ein Geſichtspunkt, welcher bei jeder Bildung in den Vordergrund treten muß. Da ſie auf der Kenntnis der Dinge der Außenwelt beruht und auf der Fähigkeit, dieſelben zu verknüpfen und in Beziehung zu ſetzen, dieſe letzteren Faktoren aber vom An⸗ ſchauungsunterrichte an die Hand gegeben werden, ſo hat man ihn zur naturgemäßen Grundlage des Sprachunterrichts herangezogen. Heute iſt man ſich klar darüber, daß der Anſchauungsunterricht das Fundament des Sprachunterrichts ſein muß, wenn letzterer ſeine Zwecke erfüllen ſoll: Bildung der Sprache, Schärfung der geiſtigen Kräfte. Dieſes Ziel kann nur erreicht werden, wenn man den Kin⸗ dern Sprache mit bildungsreichem Inhalte bietet; ſie iſt das Produkt eines richtig erteilten Anſchauungs⸗ unterrichtes.— Der in der Elementarklaſſe betriebene Sprachunterricht erfährt ſchon im zweiten ſpä⸗ teſtens aber im dritten Jahre eine bedeutende Erweiterung; es iſt dies die Einführung der ſelbſtändigen Reproduktion und deren ſchriftliche Darſtellung: der Aufſatz. Über den Betrieb dieſes Unterrichts⸗ zweiges ſind bekanntlich die verſchiedenſten Anſichten geläufig; ſie entſtanden durch die zahlreichen Schwierigkeiten, welche zu überwinden ſind. Die Hebung dieſer Schwierigkeiten erſcheint am leichteſten


