Aufsatz 
Das Zeichnen in der Realschule nach seiner Bedeutung für allgemeine Bildung und technische Fachbildung
Entstehung
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Dem Leſerkreis gegenüber, für welchen zunächſt dieſe Arbeit beſtimmt iſt, dürfte es gtrechtfertigt er⸗ ſcheinen, die in Vorſtehendem gegebenen allgemeinen Auseinanderſetzungen hinſichtlich des für die localen Ver⸗ hältniſſe beſtehenden ſpeciellen Falles etwas näher zu beleuchten. Wir können in Bezug auf die hieſigen Gewerbe und Induſtriezweige uns dann nicht verhehlen, daß die Entwicklung derſelben mit der in uns nahe gelegenen größeren Städten nicht gleichen Schritt gehalten hat und es ſcheint die Haupturſache hiervon in dem durch die ſeitherigen Verkehrsverhältniſſe beſchränkten Abſatzgebiet der Gewerbserzeugniſſe zu liegen. Es bildete ſich hierdurch eine Klaſſe von Gewerbtreibenden und Induſtriellen, welche neben ihrer techniſchen Be⸗ ſchäftigung auf einen landwirthſchaftlichen Erwerb hingewieſen war. Da hierbei das Intereſſe am eigent⸗ lichen Beruf und auch die Mittel für ſeine Ausdehnung getheilt wurden, ſo mußten ſolche Verhältniſſe con ſequenter Weiſe auch eine beſchränktere techniſche Fertigkeit und Ausbildung mit ſich führen. Dieſe Erſcheinung ſteht keineswegs vereinzelt da; ſie beſteht heute noch an den meiſten Orten, die vom Verkehr ausgeſchloſſen ſind und läßt ſich an ſolchen, die es waren, für frühere Zeiten nachweiſen. Mit dem Heranziehen des hieſigen Platzes in den Weltverkehr würde bei einer Fortdauer derſelben Verhältniſſe der Verluſt einer ſo ergiebigen Erwerbsquelle zu beklagen ſein und ſcheint es mir daher zeitgemäß, in dieſer Beziehung ſich keinen Illuſionen hinzugeben, ſondern der neuen Ordnung der Dinge entgegenzukommen und rechtzeitig in den Gewerben die Concentrirung aller geiſtigen und materiellen Kräfte auf ihre Entwicklung hinzulenken, bevor die eigne Kraft und das eigne Kapital in unvollſtändigen Verſuchen zerſplittert und fremder Arbeit ein Feld abgetreten wird, deſſen Cultivirung ſich in der That zu verlohnen ſcheint. Die Herbeiſchaffung auswärtiger Induſtrieproducte durch auswärtigen Handel und der Verkehr der einheimiſchen Bevölkerung mit den nahegelegenen Induſtrie⸗ plätzen wird durch vier Eiſenbahnlinien ſo erleichtert werden, daß die Concurrenz mit fremder Induſtrie aller dings eine ganz andere als ſeither zu werden verſpricht, und wenn auch bei manchen Erzeugniſſen die Soli⸗ dität der eignen Arbeit ſich der fremden wird an die Seite ſtellen können, ſo wird man ſich doch hauptſächlich der Ausbildung der Schönheit in den Induſtrieerzeugniſſen zuwenden und der Berechtigung der Kunſt im Gewerbe ein offenes Verſtändniß entgegenbringen müſſen. Bei einer richtigen Auffaſſung dieſer Verhältniſſe läßt es ſich in der That auch nicht abſehen, warum nicht hier viele Gewerbe ſich ebenſo gut eines gleichen Aufſchwungs zu erfreuen hätten, wie dies in anderen theilweiſe noch kleineren Orten der Fall iſt. Die Ge⸗ werbserzeugniſſe der Möbel- und Bauſchreinerei, der Schloſſerei, Glaſerei werden auch für ein weiteres Abſatz, gebiet die geringen Transportkoſten vertragen können und manche Induſtriezweige, die mehr eine künſtleriſche Befähigung als eine große Kapitalanlage und Betriebskraft erfordern, wozu ich Lithographie⸗, Thon⸗ und Cementwaarenfabrikation, Portefeuilleinduſtrie und ähnliche zähle, bedürfen zu ihrer günſtigen Entwicklung gewiß nicht eines Verkehrs der Großſtadt.

Mit den erzielten Reſultaten wird dann auch bei den Gewerbtreibenden die Liebe zum Beruf und die Achtung der Bevölkerung vor den dem Beruf Angehörigen nicht ausbleiben und es wird für die Eltern bei der Berufswahl und Ausbildung ihrer Kinder ein Vorurtheil fallen müſſen, welchem an manchen Orten die Realſchule durch ihre mehr einer Handelsſchule ſich zuwendende Organiſation unbewußt Vorſchub geleiſtet hat, daß nämlich das höchſte zu erſtrebende Ziel für dieſe Anſtalten die Ausbildung für den Kaufmanns⸗ ſtand ſei, in welchem im Allgemeinen eine ſelbſtſtändige Stellung ungleich ſchwieriger als im Gewerbe⸗ ſtand zu erreichen iſt.

Und nun noch eine Bemerkung, welche zwar nicht direct den Zeichenunterricht betrifft, welche aber in der engſten Beziehung zum materiellen Wohle des Volkes ſteht. Sie berührt die ſociale Frage, welche immer brennender und mahnender an uns herantritt. Die ſtets wachſende Induſtrie und insbeſondere die Maſchinen⸗ induſtrie hat hierin zwiſchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein Mißverhältniß geſchaffen, welches über kurz oder lang in einer gefährlichen Kataſtrophe zum Ausbruch zu kommen droht. Anſtrengungen und Verſuche, eine friedliche Löſung herbeizuführen, ſind bereits gemacht worden; allein die Urſachen, welche die Frage über⸗