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Schinkel mit allen hervorragenden Künſtlern unſerer Zeit. Es findet ſich da, ſtreng genommen, dieſelbe Grundidee, welche Schiller in ſeinen Göttern Griechenlands, welche Göthe in ſeinem zweiten Theil des Fauſt in der Verſchmelzung des modernen Lebens mit der Antike dichteriſch behandelte.
So kann der Zeichenunterricht neben der Förderung der äſthetiſchen Bildung auch eine Stütze für die moraliſche Erziehung in demſelben Maaße ſein, als ihm obliegt, wenn auch nicht ſelbſtthätige Künſtler, ſo doch Kenner der Kunſt zu bilden. Die Freude am Schönen, das nur um ſeiner ſelbſt willen geſchaffen iſt, ſchließt im Beſchauer jeden Eigenwillen aus und dieſe Entſagung muß rückwirkend einen läuternden Einfluß auf das Gemüthsleben ausüben. Das gleichſam anerzogene Schönheitsgefühl wird die ſo lebhafte Phantaſie des Kindes zügeln; dieſes wird ſich ſelbſt beobachten lernen und wird den Leidenſchaften in ihrer äußeren Erſcheinung einen Damm entgegenſetzen, der die wilden Ausbrüche der Gefühle zurückzuweiſen vermag, „Feuerbach hat einmal ſehr ſchön das griechiſche Profil den Damm genannt, den der Wogenſchwall der Leiden⸗ „ſchaft nicht zu überfluthen vermag; darum kann für ihn der Belvederiſche Apoll nur zürnen, nicht zornig „werden.“
Durch die Unterweiſung in der Kunſt des richtigen Sehens erleichtert bei nicht ausreichender eigner Fertigkeit der Zeichenunterricht wenigſtens das Verſtändniß des Schönen in guten Darſtellungen und ſo kann er durch die richtig aufgefaßte Betrachtung von Photographieen und Abbildungen und der Natur ſelbſt eine weſentliche Stütze für den geographiſchen, geſchichtlichen und naturwiſſenſchaftlichen Unterricht werden. Wie erhöht wird das Intereſſe in dieſen Disciplinen ſein, wenn der Schüler durch halbweg eigne Thätigkeit in die Kunſtſchöpfungen anderer Zeiten eingedrungen, wenn er gleichſam„ein Bürger verſchiedener Jahr⸗ hunderte“ geworden iſt! Es wird ihm ſo vielleicht eine anmuthigere und bleibendere Erinnerung an die Blüthe⸗ zeiten der Kultur geboten als in der durch grammaticaliſche und ſtyliſtiſche Schwierigkeiten ſchwerer verſtänd⸗ lichen Lectüre der alten Claſſiker. Ich kann mir nicht verſagen, zu bemerken, daß dieſer Nutzen des Zeichen⸗ unterrichts durch kunſtgeſchichtliche Erläuterungen weſentlich gefördert werden wird und will hier ein treffliches Wort Lübke's, der ſich um die Verbreitung der Kenntniſſe auf dem Gebiete der Kunſt ein ſo unendliches Verdienſt erworben hat, anführen, welches die Vortheile eines richtigen Kunſtverſtändniſſes für die Jugend in folgender Weiſe beſpricht:„Wie ganz anders werden die jungen, empfänglichen Gemüther die Geſchichte „Athens und Roms auffaſſen, wenn ihnen die Wunderblüthe antiker Kunſt in den noch vorhandenen Bau⸗ „und Bildwerken vor Augen geſtellt wird! Was für eine Bedeutung wird der Name Perikles für ſie ge⸗ „winnen, wenn man ihnen eine Abbildung des Parthenon und der Propyläen zeigt und ihre Sculpturen „erklärt! Welch' lebensvolles Bild des helleniſchen Volksgeiſtes wird vor ihnen aufgehen, welch' über⸗ „raſchendes Licht wird ihnen auf den edlen Gliederbau der griechiſchen Sprache fallen, wenn man das Ge⸗ „füge und die Bedeutung der griechiſchen Bauformen wie eine andere Art von Syntaxis ornata vor ihren „Blicken aufſteigen läßt! Welche Anziehung wird die vaterländiſche Geſchichte auf ſie ausüben, wenn in „derſelben Weiſe die großen Kunſtſchöpfungen unſerer eigenen Vorzeit ihnen erklärt werden! Und wie wird „grade dieſer Theil der Kunſtgeſchichte volles plaſtiſches Leben für ſie erhalten bei jedem Schritt, der ſie auf „Ferienreiſen durch die alten Städte ihrer Heimath führt! Und ganz in derſelben Weiſe wird Verſtändniß „und Auslegung der alten Dichter, wird namentlich auch der Religionsunterricht aus der Kunſtgeſchichte keine „Ueberladung mit neuem fremden Stoff, ſondern erſt jene innere Sättigung und Erfüllung ſchöpfen, welche „an Stelle trockner, den friſchen Sinn der Jugend abſtoßender Abſtractionen eine lebensvolle Anſchauung „an Stelle eines dürren Gerippes ein geiſt⸗ und ſchönheitserfülltes Gebilde ſetzt.“
Bei einem ſolchen Verſtändniß der Kulturgeſchichte werden die wichtigſten und am meiſten in die Augen ſpringenden Vortheile des Zeichenunterrichts, die Gewinnung eines richtigen Maßſtabs für die Beurtheilung der Kunſtſchöpfungen unſerer Zeitgenoſſen und die durch ein ſo allgemeines Intereſſe erhöhte Schöpferkraft der Künſtler zum hohen Genuß beider leicht erreichbar gemacht. Bei der Betrachtung jedes neuen Kunſt⸗


