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werkes erneuert ſich der äſthetiſche Genuß des Verſtändniſſes deſſelben in einer andern Form und läßt eine ſchöne bleibende Erinnerung zurück. Die Schule gibt der Jugend hierin das reinſte und edelſte Geſchenk, welches ſie ihr zu verleihen vermag und welches bei den mancherlei Mühen und Sorgen des Lebens ſich immer als ein erfriſchender Geiſtesquell erweiſen und das Dichterwort bewähren wird:„Ernſt iſt das Leben, heiter die Kunſt.“
II. Der Zeichenunterricht als Hülfsmittel zur Jörderung der Kunſtinduſtrie und der Gewerbe.
Das Zeichnen als„die Sprache des Technikers“ zu bezeichnen, war ein treffender Vergleich unſeres Moller. Wie die Sprache den Austauſch eiguer und fremder Gedanken vermittelt, ſo wird durch das Zeich⸗ nen die formale Geſtaltung eign er und fremder Ideen zur Anſchauung gebracht. Verlangt man daher von einem Gebildeten Gewandtheit in der Ausdrucksweiſe und erkennt man den hohen Werth der Ueberlegenheit hierin an, ſo wird man mit Recht in einer Zeit, wo Kunſtinduſtrie und Gewerbe in raſch fortſchreitender Entwicklung begriffen ſind, zugeſtehen müſſen, daß die Fähigkeit, zunächſt ſich die künſtleriſchen Motive und Geſtaltungen vorhandener Werke anzueignen und dann ſelbſtſchaffend eigne Compoſitionen zu entwerfen, ein weſentliches Erforderniß für einen angehenden Induſtriellen iſt. Und da nun die Producte der Induſtrie und der Gewerbe Gegenſtände des Handels bilden, ſo wird ſelbſt dem Kaufmann neben der genauen Kenntniß der verarbeiteten Stoffe, ein zuverläſſiger Maßſtab füͤr die richtige Würdigung des künſtleriſchen Werthes dieſer Handelsartikel durch das Zeichnen verliehen werden können. Für den In⸗ duſtriellen häufen ſich täglich ſowohl die Zahl der mechaniſchen Erfindungen, wie der neuen Kunſtinduſtrie⸗ producte. Um hierin das Brauchbare von dem Unbrauchbaren ſondern, um Herr über dieſe mannigfachen neuen Geſtaltungen werden zu können, muß man ſelbſt durch eigne Thätigkeit das Verſtändniß geſchärft und ſich techniſche Fertigkeit im Zeichnen angeeignet haben. Man muß hierdurch in der Lage ſein, ſei es aus erſchienenen Werken, ſei es von beſtehenden Einrichtungen, Maſchinen und Induſtrieproducten ſich eine kurze Notiz des Wiſſenswerthen aufzeichnen zu können. Wie in jeder Disciplin ſchriftliche Notizen das Gedächtniß unterſtützen und den Geſichtskreis erweitern müſſen, ſo bedarf auch der Techniker aufgezeichneter Skizzen, welche die Fülle der ſich gegenſeitig verwiſchenden Eindrücke zu trennen und die Phantaſie zu bereichern ver⸗ mögen. Schriftliche Beſchreibungen reichen in den meiſten Fällen hier nicht aus und leiden oft an Unklar⸗ heit, während die Vortragsweiſe durch das Zeichnen den Vortheil einer Kürze und Beſtimmtheit beſitzt, welche bei der haſtigen Entwicklung namentlich dieſes Theiles menſchlicher Thätigkeit in der heutigen Zeit von un⸗ erläßlicher Wichtigkeit iſt. Ebenſowenig wie in den exacten Wiſſenſchaften neue Entdeckungen ohne gründ⸗ liches Wiſſen gemacht oder werthvoll ausgebildet werden können, ebenſowenig iſt es einem Techniker möglich practiſch verwendbare Maſchinen oder Conſtructionen zu concipiren ohne die Fähigkeit, die Geſetze der Statik und Dynamik graphiſch darſtellen zu können. Iſt daher aus dieſen Gründen auf den Gebieten der Gewerbe eine erſprießliche Thätigkeit ohne Fertigkeit im Zeichnen ausgeſchloſſen, ſo iſt in der Kunſtinduſtrie dem Weſen der Sache nach ohne den durch das Zeichnen gebildeten Geſchmack eine hervorragende Leiſtung nicht zu er⸗ warten. Die Anforderungen der Jetztzeit ſind aber durch die Induſtrieausſtellungen ſo hoch geſpannt und die Concurrenz bei den leichten Verkehrsmitteln eine ſo ausgedehnte, daß nur die beſſeren Producte eine Be⸗ achtung finden werden. Man tänſche ſich hierin ja nicht. Wer mit nur einiger Aufmerkſamkeit den Um⸗ ſchwung beobachtet hat, der ſich grade in den beiden letzten Decennien auf dieſen Gebieten vollzog, der wird zugeſtehen müſſen, daß die Errungenſchaften zwar erfreulicher, ihre Erhaltung und Ausbildung aber immer ſchwierigerer Natur geworden ſind. Man hat mit Recht unſer Jahrhundert das Jahrhundert der Erfindungen genannt und der Vergleich mit einer kaum dahin geſchwundenen Zeit und Generation wird oft mit einem


