Aufsatz 
Das Zeichnen in der Realschule nach seiner Bedeutung für allgemeine Bildung und technische Fachbildung
Entstehung
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ergehen iſt. Daß zur Erreichung dieſer beiden Ziele es im Bereich des Unterrichts kein geeigneteres Mittel als den Zeichenunterricht gibt, wollen wir in Nachſtehendem darzuthun verſuchen.

I. Der Zeichenunterricht nach ſeinem pädagogiſchen Werthe.

Der Unterricht im Erkennen und Schaffen des Schönen muß mehr, wie jeder andere auf eigene Wahr⸗ nehmung gegründet ſein; daß der Zeichenunterricht die Bedingung der Anſchaulichkeit im höchſten Grade erfüllt, bedarf aber wohl kaum eines Beweiſes. Das Weſen eines Gegenſtandes kann nicht beſſer erfaßt werden, als durch das Zerlegen deſſelben in ſeine einzelnen Theile, wie dies beim Zeichnen geſchieht, wo jeder Gedanke ſich in einem Striche ausſpricht, der, mit den andern verbunden, die Richtigkeit der Auffaſſung des Ganzen beurtheilen läßt. Und dieſe Gründlichkeit ſollte ſie ſich nicht auch vortheilhaft übertragen auf das aufmerk⸗ ſame Beſchauen der Umgebung, ja ſelbſt auf das logiſche Denken des Schülers! Sofern nun aber durch die Reproduction des wahrhaft Schönen, wozu nach den heutigen Hülfsmitteln durch vortreffliche Vorlagen und Gipsabgüſſe die weitgehendſte Möglichkeit vorhanden iſt, die Schüler außerdem eine richtige Geſchmacksbildung erhalten, wird der Zeichenunterricht der Aufgabe der äſthetiſchen Bildung derſelben in vollem Maaße gerecht werden können. Welche Höhepuncte der Kultur und welche glückliche Harmonie die äſthetiſche Bildung bei verſchiedenen Völkern begründen half, haben wir bereits angedeutet. Was aber für ganze Kulturperioden gilt, das gilt auch für den einzelnen Menſchen. Die vollſtändige Harmonie ſeiner Seelenkräfte verleiht ihm erſt den vollen Adel ſeiner Menſchenwürde. Die äſthetiſche Bildung erhebt ihn vom phyſiſchen Menſchen zum moraliſchen und gewährt ihm in ſeinen philoſophiſchen Unterſuchungen vielfach Klarheit und Genuß. Es würde zu weit führen, auf die engen Beziehungen und auf das gegenſeitige Ergänzen dieſer drei Seelenkräfte näher einzugehen und erſcheint um ſo mehr gewagt, als dieſe Entwicklungen der philoſophiſchen Syſteme der Neuzeit durch Schiller in ſeinen BriefenUeber die äſthetiſche Erziehung des Menſchen bereits eine an Form und Klarheit unerreichte populäre Darſtellung gefunden haben. Seine Worte:Durch die Schönheit wird der ſinnliche Menſch zur Form und zum Denken geleitet, durch die Schönheit wird der geiſtige Menſch zur Materie zurückgeführt und der Sinnenwelt wiedergegeben, bezeichnen in prägnanter Kürze die hohe Wichtig⸗ keit dieſes pädagogiſchen Hülfsmittels und finden ihre Beſtätigung nicht bloß in der ganzen Kulturgeſchichte der Menſchheit, ſondern auch in der Geſchichte der hervorragendſten Künſtler, deren ganzes Geiſtesleben von dem ihnen gleichſam eingeprägten Schönheitsgefühl beherrſcht wurde. Ein Wort Schinkels, vielleicht des größ⸗ ten Künſtlers unſeres Jahrhunderts, iſt hierfür im höchſten Grade bezeichnend. Er ſagt:Der Menſch bilde ſich in allem ſchön, damit jede von ihm ausgehende Handlung durch und durch in Motiven und Ausführung ſchön werde. Dann fällt für ihn der Begriff von Pflicht in dem gröberen Sinne, welcher von ſchwerer Pflicht, drückender Pflicht u. ſ. w. ſpricht, ganz fort und er handelt überall in ſeligem Genuß, der die nothwendige Folge des Hervorbringens des Schönen iſt. Mit andern Worten: jede Handlung ſei ihm eine Kunſtaufgabe Es kann nicht die Beſtimmung des Lebens ſein, ſich zu quälen, vielmehr ſoll Seligkeit die Beſtimmung alles Lebens ſein, und ſo wird man eigentlich Gott wohlgefälliger, wenn man mit Liebe handelt; aber nur das Schöne iſt der höchſten Liebe fähig, und darum handle man ſchön, um ſich ſelbſt lieben und dadurch ſelig werden zu können.

Es iſt dies ein Wort, welches aus innerſter Ueberzeugung entſprungen iſt, und den Wunſch, daß dieſe Anſchauung, welche ſich ebenſowohl in ſeinem mackelloſen Leben, wie in ſeinen architektoniſchen Schöpfungen und maleriſchen Compoſitionen, namentlich in den Fresken des Berliner Muſeums und in ſeinem herrlichen BildeDie Blüthe Griechenlands ausgeſprochen findet, das ganze Volksleben durchdringen möge, theilte