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„daß die Schönheit, deren Begriff wir zunächſt von körperlichen Dingen herleiten, allgemeine Regeln beſitzt, „die ſich auf mehrere Dinge anwenden laſſen, auf Handlungen, auf Gedanken ſowohl als auf Formen.“ Die Ruhe in ihrer Plaſtik, das feine Gefühl für die Verhältniſſe ihrer Architectur laſſen denſelben Autor zu dem Ausſpruch kommen:„Es iſt das Vorrecht, der Alten, keiner Sache weder zu viel noch zu wenig zu thun.“ Hinſichtlich ihrer Malerei, welche uns nur aus eignen Schilderungen und ſpärlichen Ueberreſten einer ſpäteren Zeit bekannt iſt, iſt doch wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß der maleriſche Character, den ihr ſo reich bewegtes Volksleben in den gemeinſamen Feſten, den Feſtzügen und gymnaſtiſchen Uebungen, ja ſelbſt in ihrem Tanze annahm, ſich auch in dieſer Kunſt einen würdigen Ausdruck verſchafft habe.
So eng war das Verlangen nach dem Schönen mit der helleniſchen Geiſtesbildung verwachſen, daß ſie ſelbſt ihrem handwerklichen Schaffen den Stempel der Kunſt aufzuprägen wußten. Ihre Geräthe, ihre Tracht ihre Ornamentik des Stoffes zeigte neben einer rationellen Erfüllung des Zweckes und getreuer Wah rheit in der Verwendung des Materials immer eine kunſtgerechte Behandlung der Form und der Farbe. Sie entrückten hierdurch den bei den orientaliſchen Völkern verachteten Handwerkerſtand der Sphäre des Niederen und Gemeinen und räumten ihm eine gleichberechtigte Stellung in ihrem freien Staate ein.
Verfolgen wir nun die Kulturperioden nach dem Untergang der antiken Kultur, ſo ſehen wir mit dem Fall des römiſchen Reiches auch die alten Traditionen dahinſinken. Den eingedrungenen Völkerſchaften war jede Reminiscenz an die unterjochten Nationen zuwider. Man fürchtete durch Annahme der antiken Geiſtes⸗ bildung ſich einen moraliſchen Zwang den Beſiegten gegenüber aufzuerlegen und bemühte ſich daher nicht ihre Producte zu prüfen, ſondern verwarf die jene Kataſtrophe überdauernden Kunſtwerke als unlösbare Räthſel. Daher mußte bei der auch durch das Chriſtenthum auf dem Gebiete der Ethik veränderten Anſchauungsweiſe die in den Hintergrund gedrängte äſthetiſche Bildung faſt ansſchließlich den Vertretern der Ethik, der Geiſt⸗ lichkeit und ſpäter den Metaphyſikern und Scholaſtikern anheimfallen. Die aus ihrer Vorläuferin, der alt⸗ chriſtlichen Kunſt, reſultirende mittelalterliche Kunſt hat in zwei verſchiedenen Syſtemen zunächſt und vorzüg⸗ lich den Zwecken der Kirche gedient. Sie haben uns beide Denkmale von erhabener Schönheit zurückgelaſſen, aber ſchon im dreizehnten Jahrhundert deutet das Verdrängen der klaren Conſtructionsweiſe und der einfachen Formen des romaniſchen Styles durch den reicheren und ſchwierigeren gothiſchen Styl auf das Verlangen der Künſtler und des Bürgerſtandes hin, ſich von dem überwiegenden Einfluß der Geiſtlichkeit zu emancipiren. Der gothiſche Styl wurde zwar bis in ſeine äußerſten Conſequenzen ausgebildet, eine Regeneration fand aber merkwürdigerweiſe in Deutſchland dann nicht auf äſthetiſchem ſondern auf philoſophiſchem Gebiet durch die Reformation ſtatt, welche ſich in feindliche Oppoſition zu dem das ethiſche Leben ausſchließlich beherrſchen⸗ den Dogma ſetzte. Anders in Italien. Dort wurde gleichzeitig der erſte Impuls zu einem Umſchwung auf äſthetiſchem Gebiet gegeben. Die Kunſt des Mittelalters hatte dort nie ſo tiefe Wurzeln geſchlagen, daß man darüber die vorhandenen Reſte und mit ihnen die vergangene Größe der Nation hätte vergeſſen können. Jener klaſſiſche Boden zeigte noch in tauſenden von Denkmalen die alte, man kann von einem Theile der Bevölker⸗ ung auch ſagen nationale Kunſtweiſe und die glückliche finanzielle und politiſche Lage der italieniſchen Städte verlangte ſtatt jener alle Gebäudetheile auflöſenden Architectur und ſtatt der ascetiſchen Auffaſſung in der Plaſtik und Malerei eine Repräſentation, welche in der Gleichſtellung des Schönen mit dem Guten und Wahren ihre Befriedigung fand. Wir ſehen mit dem Erringen der Harmonie dieſer Dreiheit im einque- cento wieder auf kurze Dauer eine Blüthezeit erſtehen, welche an Vielſeitigkeit und Productivität die Antike faſt noch übertraf. Im Norden und beſonders in Deutſchland dauerte der angedeutete Kampf noch Jahr⸗ hunderte lang fort und ließ die neue Kunſtweiſe zu einer ſo gedeihlichen Entfaltung, wie in Italien nicht gelangen. Die Philoſophie hatte ſich hauptſächlich dem inneren Geiſtesleben zugewandt und war zuletzt in einen trockenen Schematismus ausgeartet, daher konnte ſie eine befruchtende Wirkung auf das äſthetiſche Leben nicht äußern. Gegenüber jener Periode in Italien friſtete die Kunſt Jahrhuuderte lang nur ein kümmer⸗


