Aufsatz 
Roger Ascham / Aug. Wallenfels
Entstehung
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Zuerst soll er nun dem Kinde klar und deutlich Veranlassung und Inhalt des Briefes darlegen, sodann so oft in's Englische übertragen, dass es das vollständige Verständniss desselben hat, endlich ihn gründlichst analysiren. Wenn dies geschehen ist, so soll das Kind das Durch- genommene wieder construiren und analysiren, so dass man sieht, dass es über nichts, was es gelernt hat, im Unklaren ist. Hierauf muss das Kind ein Heft nehmen und selbständig seine frühere Lection in's Englische übersetzen. Es zeige sie nun seinem Lehrer, welcher ihm hierauf sein lateinisches Buch wegnimmt und nach einer Pause von mindes tens einer Stunde sein eigenes Englisch wieder in's Lateinische übertragen lässt. Wenn es diese Arbeit abliefert, so vergleiche sie der Lehrer mit dem Original, und wo das Kind seine Sache gut gemacht hat, entweder in der Wahl oder richtigen Stellung der Worte, da lobe es der Lehrer ausdrücklich, denn es gibt keinen solchen Wetzstein, um den Verstand zu schärfen und die Lust am Lernen zu wecken, als Lob.

Wenn aber das Kind fehlt, indem es entweder ein Wort auslässt, oder ein gutes durch ein schlechtes ersetzt, oder falsche Wortfolge gebraucht, so schelte der Lehrer es nicht, wenn es seine Pflicht gethan hat und nicht faul gewesen ist, denn ich weiss aus Erfahrung, dass ein Kind mehr Nutzen zieht aus zwei Fehlern, die ihm ruhig angedeutet werden, als wenn es viermal das Richtige getroffen hat, denn dann wird der Lehrer die beste Gelegenheit haben, ihm zu sagen: Cicero würde dieses Wort, nicht jenes, gewählt, er würde dieses Wort hierhin, nicht dorthin gestellt, diesen casus, diesen numerus, diese Person, diesen Grad, dieses Geschlecht, diese Zeit, diese einfache Zeit eher als diese zusammengesetzte gebraucht, dieses Umstandswort hierher, nicht dorthin gestellt, den Satz mit diesem Zeitwort, nicht mit jenem Nomen oder Participium geschlossen haben etc.

In diesen wenigen Zeilen habe ich den langweiligsten Theil der Grammatik und auch das Fundament für beinahe alle Regeln inbegriffen, die in allen öffentlichen Schulen von dem Lehrer so fleissig gelehrt und von dem Schüler so schwer gelernt werden. Auf diese Weise wird der Lehrer ohne allen Irrthum lehren und der Schüler ohne grosse Mühe lernen, da ersterer von einem so sicheren Führer geleitet und letzterer auf einem so einfachen und ebenen Weg gebracht wird. Desshalb verachte ich doch die Regeln nicht, sondern lehre sie gerne und verständlicher, eindringlicher und besser geordnet, als sie in den gewöhnlichen Schulen meistens gelehrt werden, denn wenn der Lehrer Cicero's Buch mit der Uebersetzung des Schülers vergleicht, so soll er anfangs den Schüler anleiten und lehren, die Regeln seiner Grammatik mit den Beispielen seiner vorliegenden Lection in Einklang zu bringen, bis der Schüler selbst im Stande ist, jede Regel zu jedem Beispiele in seiner Grammatik aufzusuchen. Das ist ein lebhafter und vollkommener Weg, Regeln zu lehren, während der gewöhnlich verfolgte, die Grammatik allein zu lesen, langweilig für den Lehrer, schwierig für den Schüler, kalt und ungemüthlich für beide ist.

Der Schüler soll sich nie fürchten, in einem zweifelhaften Fall den Lehrer zu fragen; er soll vielmehr nach Möglichkeit dazu ermuntert werden, dies zu thun, sonst treibt ihn seine übergrosse Furcht vor dem Lehrer dazu, unerlaubte Mittel, wie Beihülfe anderer Bücher, oder der Mitschüler zu gebrauchen und so den Lehrer, mehr aber sich selbst, zu betrügen.

Auf dem Wege des guten Verständnisses des Inhalts, klarer Construction, sorgfältiger Analyse, täglicher Uebersetzung, aufmunternden Ermahnens, behutsamen Verbesserns der Fehler