Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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Tendenzschrift wäre, veranlasst durch ein irenisches Interesse um den Antagonismus zwischen particularistisch-petrinischer und universell-paulinischer Auffassung des Evangeliums zu versöhnen. Und was endlich die Philosophie betrifft, so wird gegenüber dem Streben ihres modernen Wortführers Hegel, dem Begriff auch auf religiösem Gebiete zur Alleinherrschaft zu verhelfen, eine ächte Pektoraltheologie immer von Neuem die unveräusserlichen Rechte des Gefühles mit Erfolg zu vertreten wissen. Sie wird die Ueber- zeugung immer allgemeiner zur Geltung bringen, dass das, was nach Tegnérs naivem Ausdrucklinks in der Brust liegt, in den göttlichen Dingen auch eine Stimme habe; die Ueberzeugung, dass bei einem wahrhaft harmonisch entwickelten Menschen klarer, scharfer Verstand mit tiefem Gefühle Hand in Hand gehn müsse, und zwar so, dass sich beide, wie bei Schleiermacher, berühren und eine galvanische Säule bilden. Einer hochmüthigen Philoso- phie gegenüber, die geringschätzig auf die Theologie herabblieckt, die sie zeitweilig aus ihrer Jahrhunderte lang behaupteten Hege- monie erfolgreich verdrängt hat, wird diese letztere immer wie- der daran erinnern, dass die Philosophie ohne das göttliche Licht der Offenbarung doch gar Nichts weiss von derStadt aus Gold und Edelstein, noch von demkrystallhellen Strom lebendigen Wasserst, den der Seher der Apokalypse geschaut hat. Mehr und mehr bricht sich, einer selbstgenügsamen Vernunft gegenüber, die alle Wahrheit aus sich erkennen will und daher die göttliche Miittheilung an die Menschheit für überflüssig erachtet, die Ueber- zeugung Bahn, dass alle Kategorieen unseres Denkens an Vor- stellungen der Zeit und des Raumes gebunden und daher unfähig sind, da zu wahrer Erkenntniss zu führen, wo sie auf Ueberräum- liches und Ueberzeitliches angewendet werden sollen, dass also der Mensch auf diesem Gebiete ganz unberathen und hülfos wäre, wenn nicht die Offenbarung sich seiner annähme. Vielleicht ist die von manchen hervorragenden Zeitgenossen getheilte Hoffnung nicht 2u kühn, es werde mit der Erreichung dieser allgemeinen Ueberzeugung dereinst in dem Leben der Völker ein grosses