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Welcher gebildete Zeitgenosse, dem das Christenthum noch Sache des Herzens und der Ueberzeugung ist, hätte nicht bisweilen unwillkürlich Betrachtungen angestellt, ähnlich denjenigen, welchen Tegnér einen so schwermuthsvollen Ausdruck leiht; wer muss ihm nicht Recht geben wenn er sagt, dass„ein Gemisch von Unbe- hagen und Unzufriedenheit vom Norden bis zum Süden, ein tiefer Seufzer durch das ganze bürgerliche Leben, eine Todesangst durch die Geschichte des Tages geht“? Denn allerdings sieht es„mit der eigentlichen inneren Seite der Kirche, mit Gottesfurcht und Tugend, im Allgemeinen in der Christenheit traurig genug aus“.* Gewinnt es doch zuweilen den Anschein, als ob der Tag des Christenthums sich geneigt habe und als ob das Licht des Lebens seine scheidenden Strahlen nur noch wie im Niedergang sende. Immer dunklere Abendschatten lagern sich über den Acker der Kirche, immer schwärzer schlägt der Geist der Verneinung seinen Rabenfittich um das Gottesbewusstsein der Völker, immer lauter, immer triumphirender wird das Hohngelächter der Feinde, die den Zeitpunkt nicht mehr fern glauben, wo nur noch die pagani des alten Glaubens der hinsterbenden Religion huldigen werden, wäh- rend die Gegenwart sich nach anderen Potenzen umzusehn habe, um das geistige Leben der Menschheit zu beherrschen. Allein, wie bedenklich auch die„Zeichen der Zeit“ in Wirklichkeit sein mögen, dennoch dürfen wir zu unserem Troste sagen, dass Teg- nér dieselben zu sehr als Pessimist betrachtet und in Folge dessen doch zu sehr Grau in Grau gemalt hat. Denn wenn noch un- längst ein bedeutender Theologe*: es als eine grosse Calamität beklagte, dass die Gegenwart, d. h. ihre hervorragendsten und einflussreichsten Träger, dem Christenthum meist entfremdet seien, dass die Kirche mit fremden Augen in unsere Zeit hineinschaue, dass sie mit den Fortschritten der nazionalen Bildung längst nicht mehr Stich halte und somit ihre grosse religiös sittliche, ihre heilende und heiligende Aufgabe nicht mehr erfüllen könne; so
Tegnér.. „ Schenkel: Allgemeine kirchliche Zeitschrift, Seite 471.
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