Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
Einzelbild herunterladen

27

V.

Foetisches Intermezzo. Die Nachtmahlskinder.

1820.

In den zwölfjährigen Zeitraum, in welchem Tegnérs akade- mische Wirksamkeit sich am glänzendsten entfaltete, fällt auch der Culminazionspunkt seines dichterischen Schaffens. Herrliche Lieder, die bisher wie ein schlummernder Frühling in seiner Seele gelegen hatten, traten Schlag auf Schlag vor die mit Bewunderung und Entzücken erfüllte Nazion. An der Spitze steht das Gedicht Priesterweihe,* von welchem Franzén sagt,** dass es von einer himmlischen Schönheit strahle, ein Gedicht, mit dem an Erhaben- heit des Fluges und Grossartigkeit der Conzepzion sich unter den kleineren Poesieen nur dasLied an die Sonne messen kann. Ohne Zweifel ist es am Tage seiner eigenen Weihe zum geist- lichen Amte gesungen worden, da ihm gleichzeitig mit der grie- chischen Professur zur Erhöhung seines Diensteinkommens ein sogenanntes Präbendepastorat über die Landgemeinden von Stäfje und Lackalänge verliehen war. Dann traten nach und nach in der ZeitschriftIduna die Gesänge des romantischen Epos Frithiof hervor, nach Geijers Ausdruck die Aepfel, durch welche die Göttin ihr Vermögen bewies, noch immer unsterblich zu machen. 1820 erschien derEpilog bei der Magisterpromotion in Lund, worin das Starke und Milde zu antiker Schönheit verschmilzt, alle Far- ben sich in reines Licht auflösen, philosophische Gedankentiefe durch griechische Klarheit hindurchschimmert und die grossen Ideen wie stille Sterne sich in der ruhigen Fluth des Wortes spiegeln.*** In demselben Jahre trat das religiöse Idylldie

III, 68.

Bihang till Frithioſs-Saga, Seite 67. Stockholm, 1841. I, LXVI.