Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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28 Nachtmahlskinder ans Licht, das an diesem Orte ausführlicher zu charakterisiren ist.

Es behandelt die Confirmazion, eine religiöse Feier von so tiefem Ernste, so nachhaltiger sittlicher Wirkung, dass man sie wohl nicht mit Unrecht das Sakrament des Protestantis- mus genannt hat. In Schweden, wo das eigentlich didaktische Element des kirchlich-religiösen Unterrichts mehr als in den mei- sten deutsch-evangelischen Ländern von dem aszetischen, von An- dacht und Gebet durchdrungen ist, muss dieser Eindruck auf das jugendliche Gemüth noch erschütternder und dauernder sein. Der vorbereitende Unterricht wird dort jedesmal nicht nur mit Gesang und Gebet begonnen und beendigt, sondern auch mit dem Segen geschlossen. Besonders feierlich ist die der Confirmazion voran- gehende Woche: die Unterrichtsstunden sind hier häufiger, die Confirmanden bleiben in der Nähe des Geistlichen beisammen, es ist, als ob er jetzt einzig und allein für sie lebe. Die Art und Weise nun, wie Tegnér diesen Stoff und im Anschluss an den- selben eins der tiefsten Mysterien, die erste Abendmahlsfeier, be- handelt, ist in hohem Grade charakteristisch, wenn man die Zeit berücksichtigt, in der die Dichtung erschienen ist. Hand in Hand mit der politischen Restaurazionsepoche dieser Zeit ging nämlich eine religiöse. In Deutschland, das damals wie jetzt in kirch- licher Beziehung auf die übrigen Länder protestantischen Bekennt- nisses einen bestimmenden Einfluss übte, begann man selbst in evan- gelischen Staaten dem Katholizismus zu huldigen. Die Jungfrau Maria und alle Heiligen wurden mit Begeisterung von den Dich- tern in Luthers Vaterlande besungen und Lutheraner nahmen ihre Zuflucht zu jener starren Orthodoxie, die eine gewisse Verwandt- schaft mit dem Katholizismus schwerlich ganz abzuleugnen ver- mag. Ein Genius, der, ohne energisch und entschieden der gewal- tigen Geistesströmung dieses Zeitalters die freie Brust entgegen zu stemmen, eines solchen Stoffs sich bemächtigt hätte, würde ohne Zweifel eine Dichtung geliefert haben, hyperromantisch nach

Siehe Schubert: Schwedens Kirchenverfassung, II, 191 u. 194.