Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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26 len können, denen jedoch keineswegs ihr Gottesfunke fehlte.* Aehnlich wie Zwingli bereits drei Jahrhunderte früher die Offen- barung als einen ununterbrochenen,durch alle Zeiten rauschen- den, nur dem Grade, nicht der Art nach verschiedenen Strom göttlicher Erleuchtung und Beseligung ansah,** so ist es auch für Tegnér nicht zweifelhaft,dass jede Zeit offenbart, und zwar vorzugsweise die Zeit Christi, dass die Geschichte des Menschen- geschlechts das fortgehende, das noch unabgeschlossene Offen- barungsbuch ist. Auch Frömmigkeit hat es, wiewohl in sehr verschiedenem Maasse, in allen Zeiten und unter allen Völ- kern gegeben; denn eine Zeit ohne alle Frömmigkeit, allen Glauben, alle Ahnung von etwas Höherem als das Erdenleben würde bald genug die bürgerliche Gesellschaft aufgelöst und die Menschheit wieder in die Wälder gejagt haben, um bei den wilden Thieren zu leben. Wo nur ein menschlich Auge hinauf zum Himmel blickt und einen Gott ahnt, wo eine menschliche Vernunft das Wahre erforscht, ein menschlich Herz das Schöne liebt und für das Gute klopft, da hat sich auch Frömmigkeit gefunden und Glaube und Entsagung und Aufopferung. Es ist eine kindische, eine engherzige Vorstellung, die man bisweilen hört, dass alle Frömmigkeit in die Welt eingeführt sei durch die christliche Lehre. Es fand sich viel Christenthum vor Christus, Christenthum ist nur der Frömmigkeit Taufname. Aber gewiss müssen wir erken- nen, dass das fromme Gefühl durch dasselbe entwickelt und ge- steigert und auf den Platz erhoben worden ist, auf dem es stehen muss, nämlich auf die Zinnen der Menschheit. Gewiss hat Christi Lehre die Schale der Frömmigkeit hinweggeräumt und ihren Kern offen gelegt. Sein Leben war das Vorbild der Frommen, sein Tod war der Sieg der Aufopferung; und mit Recht steht das Kreuz nunmehr als Thurmspitze auf Gottes Tempel, vor dem Kreuze beugt mit Recht jedes edle Gemüth seine Kniee. *Kyrkotal, 83. * Lang: Religiöse Charaktere, Bd. I, 114. 1862.

Kyrkotal, 33. Vergl. damit die ganz ähnlich lautende Stelle S. 95. Kyrkotal, 22.