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gelebt haben, als Christen gelten, 4 oder wenn Clemens Alexan- drinus in der Philosophie für die Heiden einen Zuchtmeister auf Christum findet, ähnlich wie es das Gesetz für die Juden war, so finden sich auch bei Tegnér zahlreiche Aussprüche über das Heidenthum als Vorstufe und Vorbereitung für das Christenthum. Heidnisch— so heisst es an einer Stelle— was bedeutet das? Könnte es ein Christenthum geben, wofern nicht ein Heidenthum vorangegangen wäre? Die Weltgeschichte ist doch genetisch, sie kennt keinen Sprung, nur eine fortlaufende Kette, eine un- abgebrochene Entwicklung. Darum ist es eine absonderliche Vor- stellung, dass das Christenthum ganz isolirt und nackt für siech dastehen sollte ausser Zusammenhang mit der vorangegangenen Zeit, mit einem Male vom Himmel gefallen wie eine verzauberte Stadt, wie ein neues Jerusalem oder wie jene Schilder, von denen die römische Sage erzählt. Das Christenthum ist eine Offenba- rung— ja, aber nicht etwa eine solche, die wie ein todter Mond- stein mit Knall aus den Wolken gefallen wäre, sondern ein leben- der Baum, ausgebildet und gereift mit der Zeit, wiewohl sein Same herabgestreut ward von Vögeln des Himmels. Wäre dem anders, hätte das christliche Kreuz nicht seine Wurzel in einer vorangehenden heidnischen sowohl als jüdischen Bildung, wahr- lich, es stände jetzt nicht und überschattete die ganze gebildete Welt, es trüge nicht auf seiner Stirn den Sonnenzeiger, der das ewige Licht abschattet.“ Jener einseitigen, durch die tiefere Religionsforschung unserer Zeit gerichteten Anschauungsweise, welcher alle ausserchristlichen Religionen mit Ausnahme der mosaischen als absolut falsch und ihre Stifter als geflissent- liche und vorsätzliche Betrüger** gelten„ setzt Tegnér ein warmes„Introite nam et hie Dii sunt!“ entgegen. Nach ihm haben sich sowohl vor als nach Christus Offenbarungen gefun-
den, die sich gewiss dem Evangelium nicht an die Seite stel- — * VI, 210.
* Selbst Napoleon rügte eine solche Auffassung bei der Beurthei- lung von Voltaires Mahomet. Siehe: Mémorial de Sainte-Hélène, bei Prat: Etudes littéraires. Paris, 1860.
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