24 bedürfen der Götter“, so singt schon Homer in einem Verse, den Melanchthon den schönsten nennt unter allen, die er gedichtet. Die Verwandtschaft unserer geistigen Substanz mit Gott, dem Urquell der Geister, bezeugt ein Aratus und Kleanthes,„etliche Poeten“, an deren Wort:„wir sind seines Geschlechtes“ Paulus in Athen jene bekannten, ebenso schlagenden als erschütternden Folgerungen knüpft.“ Jener Altar des unbekannten Gottes, jene Opfer, ahnungsvolle Vorbilder des grossen Sühnopfers auf Gol- gatha, jenes Erfragen und Erforschen göttlicher Offenbarung durch Orakelmund— was sind sie anders, als Zeugnisse eines unbe- friedigten, ruhelosen Suchens Gottes von Seiten der Hellenen, ob sie ihn wohl fühlen und finden möchten? Und nun gar die Phi- losophie, die mit entfesseltem Flügelschlag über die Götter des Volkswahns sich hinausschwang, die mit ihrer Lehre von den ewigen Ideen, den Urbildern des Guten und Schönen, eine unge- regelte Sehnsucht nach dem Höheren und Göttlichen wohl anzu- fachen, aber nicht zu stillen vermochte— hat sie nicht über sieh hinaus auf den hingewiesen, der da Leben und volle Genüge bringt? Ist es nicht ihr besonderes Verdienst, dem Erlöser auch negativ einen Weg, eine Stätte bereitet zu haben durch uner- bittliche Vernichtung jener poetischen Mythologie, in der wie in einem Garten der Hesperiden die heidnische Menschheit am Fusse des Olymp unter einem wandellosen Azur Frieden und Seligkeit zu finden hoffte?
Das Resultat einer solchen ächt historischen, durch kein dog- matisches Vorurtheil getrübten Betrachtung des Alterthums bei Tegnér ist jene schöne Unbefangenheit und Milde des Urtheils, die unwillkürlich an die grossen Apologeten und Kirchenlehrer der ersten Jahrhunderte erinnert. Wenn Justinus der Märtyrer meint, dass die platonische Philosophie, wiewohl mit dem Christenthum nicht in allen Stücken übereinstimmend, demselben doch mit Nich- ten fremd oder zuwider sei, s wenn ihm diejenigen, die wie So- krates und Heraklit den Gesetzen des göttlichen Logos gemäss
* Act 17, 26,


