Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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stens ein Zeiger an der Uhr der Zeit. In der Art und Weise, wie sie sowohl ausgebreitet als bestritten wird, malt sich des Zeitalters innerer, geistiger Kampf, die ganze innere Welt, wie sich die äussere Welt auf der Netzhaut des Auges malt. Ich betrachte die philosophirenden Parteigänger des Tages als ungenaue Abdrücke von der grossen Schaumünze der Zeit. Die Philosophie, in dem Sinne, wie sie Tegnér fasst, ist also der goldene Spiegel, in dem das Jahrhundert, in welchem sie auftritt, sein eigenes geistiges Ant- litz beschaut, sie ist der jedesmalige Ausdruck der die Zeit in ihren Tiefen bewegenden Ideen, eine Auffassung, die auch von deutschen Philosophen getheilt wird. Der Werth der Philosophie zu irgend einer Zeit, heisst es in einer vortrefflichen Schrift über das Ver- hältniss der Philosophie zur Religion, bestimmt sich nicht nach dem äusseren, durch sie hervorgebrachten Aufsehen oder nach den durch sie selbst gegebenen prunkhaften Verheissungen eines höheren, die gewöhnliche Erfahrung überschreitenden Erkennens. Immer aber sind die Lehren der Philosophie theils die höchsten Spitzen, theils auch die tiefsten und innersten Quellen der ganzen Richtungen und Strebungen der Zeit, in welcher sie wurzeln.** In ähnlicher Weise äussert sich Hegel:Was das Individuum be- trifft, sagt er,so ist ohnehin jedes ein Sohn seiner Zeit, 80 ist auch die Philosophie ihre Zeit, in Gedanken verfasst, eine An- sicht, deren Consequenzen, beiläufig gesagt, seinem eigenen System nicht gerade günstig sind.

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Das Verhältniss der Philosophie und Religion von Conrad Her- mann. Leipzig, 1862.