Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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anderen Worten, alle Theologie hat anzufangen mit Religionsphilosophie. Es ist also nach Tegnérs Auffas- sung die Aufgabe der Philosophie, den durch die Berührung des Endlichen mit dem Unendlichen, durch Offenbarung Gottes an die Menschheit gegebenen Inhalt nicht etwa zu fälschen oder zu alte- riren, sondern zu verarbeiten, das Mannigfaltige zu einer höberen Einheit zu verknüpfen und so dem Glauben je mehr und mehr ein ihm adäquates Gedankenleid anzueignen. Ferner: Das Haupt- sächliche bei einer Philosophie, die ihre Zeit entweder bildet oder wenigstens repräsentirt, ist nicht etwa die Wahrheit oder Falschheit des Systems an sich, sondern die Weltansicht, die demselben zu Grunde liegt. Die Philosophie ist wie Ceres in der Fabel. Mit der Fackel in der Hand sucht sie überall die verlorne Tochter und findet sie kaum eher als bei Pluto. Es kommt daher weniger an auf das, was die ewige Sucherin meint gefunden zu haben, als auf den Weg, den sie geht, um es zu finden. Somit kann man zweifeln an einem herrschenden System, als System betrachtet. Man kann glauben, dass jedes blosse Ver- nunftsystem, das keinen anderen Grund als seinen eigenen hat oder haben will, eben dadurch grundlos sei, und dass das innerste Wesen des Geistes sowohl als der Dinge tiefer, viel tiefer liegt, als irgend eine Wissenschaft reicht. Man kann glauben, dass der Engel des Lichts eigentlich bloss zwei Fittige habe: Religion der eine und Kunst der andere. Man kann glauben, dass der Engel mit den Fittigen fliege und keineswegs mit den metaphysischen Sterzfedern. Diese Zweifel in Betreff des letzten Grundes der Philosophie mögen immerhin vorhanden sein, da an die einzelnen Lehren derselben das Schicksal der Menschheit nicht gebunden ist, aber die Art und Weise, Welt und Menschen zu betrachten, die darin herrscht, der Geist, der das Ganze belebt: das ist's, was für die Zeit wichtig ist. Jede neue philosophische Ansicht, die nicht etwa einen besonderen Theil, sondern das ganze System menschlicher Bildung umfasst, ist entweder ein Loth oder minde-

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