Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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die Philosophieeine in ein System gebrachte Anarchie genannt, umherfluthend wie ein entmastetes Schiff, ohne Steuer und Anker- grund, wie eine schwimmende Insel, übersäet mit den Ruinen menschlicher Forschung,* so wird ein paar Seiten vorher der eben so wenig neue als stichhaltige Einwand von der Vielheit der Systeme als Beweis gegen ihre Richtigkeit geltend gemacht. Wodurch beweist die Vernunft,die doch nur subjektiv sein kann, ihre Untrüglichkeit? Vielleicht dadurch, dass ihre Wort- führer von Thales bis Hegel immer damit anfangen, die Vernunft des Vorgängers für unvernünftig und ihre eigene für die einzig wahre zu erklären? Oder dadurch, dass die Erbschaftsregulirung so verschieden ausfällt, dass sie bisweilen zu ganz entgegengesetz- ten Resultaten führt, in Folge dessen die Adepten heut- zutage in vier bis fünf verschiedene Systeme während ihrer Lebenszeit einziehen könnenk Dieser Einwand iindet dadurch seine Erledigung, dass die Philosophie, als die Wissenschaft vom Absoluten, von dem Urgrund und Zweck aller Dinge, ihr Ideal nur theilweise und approximativ erreicht. dass Sie also, als eine unendliche Aufgabe des endlichen Geistes, zu keiner Zeit ganz fertig und abgeschlossen, sondern in steter Entwickelung begriffen ist. Wenn somit in jedem einzelnen Sy- steme die Wahrheit sich nur relativ abspiegeln kann, so ist doch das Wahrheitsmoment, das es enthält, in dem nächstfolgenden aufgehoben, was in dem prägnanten Sinn, in welchem Hegel das Wort fasst, nicht bloss abgethan, sondern auch aufbe- wahrt bedeutet.!

Schlägt demnach Tegnér den Werth eines philosophischen Systems als solchen nicht gerade hoch an, so erkennt er doch nach zwei Seiten hin die hohe Bedeutung der Philosophie bereit- willig und unbedingt an.Keine theologische Ansicht kann Gül- tigkeit beanspruchen, wenn sie nicht Rechenschaft für sich ablegen kann. Diese Rechenschaftsablegung ist die Philosophie. Auf ihr ruht alles systematische Theologisiren, oder mit

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