Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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17 sches Spiel mit den Grundwahrheiten des Christenthums.Mein konkreter Sinn passt nicht für diese dürren, geistlosen Abstrak- zionen, heisst es an einer anderen Stelle,und das Coquettiren mit orthodoxen Formeln, denen man eine ganz andere und noch ungereimtere Bedeutung als die ursprüngliche unterschiebt, ist eine Falschheit, eine Heuchelei, die jedes bessere Gemüth em- pören muss.***

Wie nun aber allzuscharf leicht schartig macht, so ist auch Tegnérs Polemik gegen die Philosophie, insbesondere die neuere, nicht immer maassvoll und gerecht gewesen. Marheinecke in Berlin, der den dialektischen Pantheismus Hegels auf die Theolo- gie anwendete, kam ihm, wie die meisten Hegelianer, die er ge- troffen,eingebildet und beschränkt vor. Für den akademischen Vortrag hatte er kein Talent.*** Bei Gelegenheit einer Badereise, die ihm zur Herstellung seiner Gesundheit empfohlen war, äussert er halb scherzhaft, halb ernst:Der Nutzen ist zweideutig, aber die Kosten gewiss. Ich gönne den absoluten Deutschen keinen Verdienst und ziehe es vor, in meinem eigenen Vaterlande zu sterben, zumal wo es billigeren Kaufes geschehen kann. Als er hört, dass der erblindete, greise Dichter Leopold sich mit philosophischer Spekulazion beschäftige, findet er das in der

Ordnung, dennwas ist die Philosophie wohl anders, als eine verschlechterte Poesie, eine Aehrenlese, nachdem das Feld abge- ärntet ist? Dass sie auf diese Weise ihr Dasein fristet, dagegen ist wohl Nichts einzuwenden, aber dass sie in ihrer Armuth mit Schätzen prahlt, als ob sie Königin von Saba wäre, dass sie nicht erkennen will, wie sie sich von den Bissen nährt, die von eines reichen Mannes Tafel fallen, das ist's, was ich ihr verarge.+ Wird an einer Stelle einer sonst vortrefflichen Schulrede, der ersten, die er als Ephorus am Gymnasium zu Wexiö gehalten hat,

*. VI. 199.

*VIl, 296.

VI, 293. Tegnér hatte auf der Durchreise nach Karlsbad 1832 in Berlin bei Marheinecke, sowie auch bei Schleiermacher und Neander hospitirt.

VI, 291.

4† V, 298.