Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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kann, so hat ihr doch Hegel geradezu ins Gesicht geschlagen, indem er einen unerschöpflichen Reichthum in der Bildung von Wortungeheuern an den Tag legte und seine Schriften oft dess- wegen vollständig unverständlich sind, weil es rein unmöglich ist, sich die Begriffe klar zu machen, die er mit seinen neuen Wortbildungen verband.*

Wie hätte Tegnér, der mit gutem Grunde fand, dass schon Schleiermachers Glaubenslehre sich schwer lese und vielfach dun- kel sei,** den Grubengängen des Verfassers der Phänomenologie, zumal in einer fremden Sprache, ohne Ermüdung zu folgen ver- mocht? Dazu kam, dass die Hegelsche Schule bald genug in bedenklicher Weise auf die Theologie hinüberstreifte und an die Stelle des Glaubens das spekulative Wissen zu setzen bestrebt war, wobei die Dogmen nach dem Vorgange Schellings symbolisch als Hüllen spekulativer Ideen gedeutet, dabei aber ihres ursprüng- lichen, specifisch christlichen Gebaltes entleert wurden. Indem man die dogmatischen Lehrformeln in dem Gepräge, das ihnen der grübelnde Scharfsinn von Jahrhunderten gegeben hatte, unan- getastet liess, konnte diese Philosophie bei oberflächlicher Betrach- tung sich den Schein kirehlicher Gläubigkeit wahren, wie denn Hegel von manchen seiner Bewunderer als der neue Herkules ge- priesen wurde, der die Schlange der Skepsis für immer zerdrückt habe. Hatte doch der berühmte Philosoph selbst das Christenthum als die Religion der absoluten Wahrheiten anerkannt, die von keiner anderen verdrängt oder übertroffen werden kann,*** ja sogar in einer Rechtfertigungsschrift an das Ministerium naiv genug erklärt, als Vertheidiger des orthodoxen Luther- thums nach Berlin berufen zu sein. Gegen dieses Untergraben des historischen Christenthums unter dem Scheine eineren- tente cordiale, einer vollständigen Harmonie, erklärt sich Tegnér mit schneidender Herbigkeit. Die Hegelsche Richtung in der Theo- logie gilt ihm alsrein unchristlich, als ein leichtfertiges dialekti-

Kurz, Geschichte der deutschen Litteratur. 1861. III. 8a. * Er nennt siemycket härdläst och mörk. e Hegel: Philosophie der Religion.