Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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der Frömmigkeit, um mit Schleiermacher zu reden, vergeblich suchen würde. Eben diese Ueberzeugung ist es, welche den Ver- fasser veranlasst hat, die zwischen den nachfolgenden Blättern verborgene Frucht liebevollen Versenkens in das religiöse Gei- stesleben von Schwedens grösstem Dichter dem deutschen Publi- kum als eine wenn auch bescheidene, so doch vielleicht immerhin dankenswerthe Gabe anzubieten.

II.

Jugend und religiöser Bildungsgang. 1782 1803.

Es ist bei der Charakteristik ausgezeichneter Männer ein sehr natürlicher, durch das psy chologische Interesse bedingter Wunsch, den Pulsschlag ihres geistigen Lebens von seinen Anfängen an zu belauschen, gleichsam die Wurzel zu kennen, aus welcher der Baum mit seinem reichen Blätter- und Blüthenschmuck hervorge- wachsen ist. Leider sind uns was religiöse Entwicklung und theologischen Bildungsgang betrifft bei Tegnér so spär- liche Anhaltspunkte gegeben, dass es fast unmöglich scheint, selbst durch sorgfältiges Combiniren der hier und da zerstreuten An- deutungen ein anschauliches und befriedigendes Gesammtbild zu gewinnen. Dass der Vater, Geistlicher in der Provin⸗z Wermland, eintüchtiger Prediger und heiterer Gesellschafter, die Mutter ausgezeichnet durch Wohlwollen und Frömmigkeit gewesen, wissen wir aus den handschriftlichen Aufzeichnungen unseres Dichters. Beide hatten sich durch friedsamen Wandel, unver- brüchliche Gerechtigkeitsliebe und überall hervorleuchtende Gottes- furcht die Liebe und das Vertrauen der Gemeinde in ungewöhn- lichem Grade erworben. Der blosse Anblick des geliebten Lehrers