Aufsatz 
Zur Frage der Probanden-Ausbildung / August Waldeck
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Hartnäckigkeit dialektiſcher Sprachfehler. Ähnlich liegt die Sache beim Schreiben. Das Kind ſchreibtmir undwir, dagegenihr undBier, obgleich in allen 4 Wörtern der J⸗Laut genau derſelbe iſt, nicht auf Grund einer Regel, ſondern weil die Schriftbilder dieſer Wörter durch häufiges Anſchauen ſich ſo in ſeiner Seele feſtgeſetzt haben. Hat es alſo erſt öfterwier oder Biehr geſchrieben, ſo ſitzen dieſe falſchen Wortbilder feſt und ſind durch keine Regel wegzuſchaffen, ſondern nur durch langwierige Übungen und angeſtrengte Aufmerkſamkeit des Kindes ſelbſt. Es ſchreibt kein Menſch, weder ein Schüler noch ein Erwachſener, nach Regeln, dieſelben haben viel⸗ mehr nur die Bedeutung vorübergehend zu gebrauchender Krücken, die weggeworfen werden, ſobald die Beine geſund ſind, und auch für dieſen Zweck iſt nur ein kleiner Teil derſelben brauchbar. Hieraus ergiebt ſich als nicht genug zu betonendes Fundamentalgeſetz: 1. daß man für viele und nur richtige Laut⸗ und Schriftanſchauungen ſorgen; 2. daß man namentlich alle falſchen Schrift⸗ bilder möglichſt verhindern ſoll; und als praktiſche Konſequenz davon für den Lehrer: 1. daß er nicht nur ſelbſt ſtets deutlich und richtig ſprechen, ſondern auch die Schüler dazu anhalten ſoll; 2. daß vieles Leſen mit ſorgfältiger Betonung und genauer Beachtung der Zeichen denn mit dieſen verhält es ſich ähnlich wie mit der Orthographie ſehr wichtig iſt; 3. daß, ſo lange die Orthographie nicht ſicher iſt, weder freie Aufſätze noch Diktate gegeben werden dürfen, die nicht ſo vorbereitet ſind, daß nur ausnahmsweiſe Fehler gemacht werden, und daß die Schüler auch für die übrigen Lehrſtunden nichts ſchreiben dürfen, was nicht genau nachgeſehen und korrigiert wird. Die vielen Kladden, Aufgaben⸗ und Präparationshefte und Diktate in anderen Lehrfächern verderben in Hand⸗ ſchrift und Orthographie mehr als die Fachlehrer wieder gut machen können und tragen die Haupt⸗ ſchuld, daß ſo oft noch unſere Primaner orthographiſche Schnitzer machen.

Für die fremden Sprachen hat der Kandidat das Deutſche als Hauptanſchauungsmittel und Apperzeptionsſtütze kennen zu lernen. Da indes mit dem Lateiniſchen hauptſächlich die Schulung des logiſchen Denkens beginnt, ſo iſt da auch wohl die beſte Gelegenheit, ihn mit dem Weſen der Deduktion und Induktion, der natürlichen, unbewußten wie der bewußten und planmäßigen bekannt zu machen. Ganz vorzüglich eignen ſich z. B. die kateiniſchen Genusregeln zu induktiver Behand⸗ lung, wenngleich das Hauptfeld für dieſelbe naturgemäß in allen Sprachen die Syntax iſt.

Dieſe wenigen Andeutungen mögen genügen, um zu zeigen, welcher Art die erſte Einführung des Probandus in die Technik des Unterrichts ſein ſoll. Daneben geht aber eine zweite nicht minder wichtige Aufgabe, die ich als die pädagogiſche Selbſterziehung des Lehrers bezeichnen möchte. Sie beſteht einerſeits in dem Abgewöhnen aller derjenigen perſönlichen Eigentümlichkeiten, die faſt ſo verſchieden wie die Individualitäten der Lehrer, auch bei der geſchickteſten methodiſchen Behandlung des Stoffes doch die Erfolge weſentlich beeinträchtigen können, andererſeits in der Aneignung der⸗ jenigen poſitiven Eigenſchaften, die erforderlich ſind, nicht blos um die äußere Zucht aufrecht, ſondern auch um eine große Klaſſe fortwährend geiſtig in Atem zu halten, ſo daß Augen und Gedanken ſtets auf den Lehrer und die Sache gerichtet ſind. Bezüglich der Fehler, die faſt allen Anfängern gemeinſam ſind, verweiſe ich auf Frick'sWinke(Heft 16, S. 26). Außerdem aber kommen bei einzelnen zahlloſe individuelle Fehler vor, die an ſich vielleicht unbedeutend in ihrer Wirkung auf die Klaſſe ſehr nachteilig ſind: gewiſſe Nachläſſigkeiten oder auch nur Eigentümlichkeiten in Körper⸗ haltung, Manieren, Geberden, Sprache, zu großes Phlegma oder unruhiges haſtiges Weſen, Mangel an Beſonnenheit bei der Beurteilung falſcher Antworten, die faſt ebenſo oft aus ſchiefen Fragen