Aufsatz 
Zur Frage der Probanden-Ausbildung / August Waldeck
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wald, Thüringerwald, Erz⸗ und Rieſengebirge und Harz. Auch dieſe ſind in ihrem Verhältnis zur Bodensbeſchaffenheit des übrigen Europa zu betrachten; c. die fünf Hauptflüſſe; d. die größeren Einzelſtaaten nach den 2 Hauptgruppen: nord⸗ und ſüddeutſche, von den erſteren aber nur Preußen, Sachſen, Mecklenburg, Darmſtadt, Oldenburg; die thüringiſchen figurieren vorläufig nur als Gruppe, die übrigen kleinen bleiben ganz außer acht. So muß das Ganze erſt in ſeinen Grundzügen ſicher und klar vor der Seele ſtehen, dieſe bilden das feſte Gerippe in der Vorſtellung, das den ſpäter folgenden Einzelheiten erſt den feſten Halt giebt. Bürdet man dieſe aber dem Gedächtnis gleich mit auf, ſo entſteht leicht ein verworrenes Bild, ein Durcheinander, das ſpäter nur ſehr ſchwer wieder in Ordnung zu bringen iſt, denn die erſten Vorſtellungen von einer Sache ſind bekanntlich die dauerhafteſten. Steht dies Gerippe nun feſt, ſo beginnt gleichſam ein zweiter Kurſus, die Ausführung des Gebirgs⸗ und Flußnetzes und der ſog. politiſchen Geographie und alles deſſen, was man dazu zu rechnen pflegt, aber mit derſelben Planmäßigkeit und auch dies alles in maß⸗ vollen, durch die Faſſungskraft der Schüler gegebenen Grenzen, die in der Regel weit überſchritten werden.

2. Die Mittel dazu: Vor allem die Anſchauung, d. h. nicht ein gedankenloſes, totes Anſtarren der Karte, ſondern ein fortwährendes geiſtiges Durchwandern derſelben, eine ſtete beobachtende, meſſende, vergleichende, gruppirende, die charakteriſtiſchen Züge und die wichtigſten Merk⸗Linien und Punkte aufſuchende Thätigkeit an derſelben, die die Schüler mit dem Lehrer auszuführen haben. Dabei iſt an das pſychologiſche Geſetz zu erinnern, nach welchem auch Dichter und Künſtler ver⸗ fahren, daß alles Lebende, ſich Bewegende, vor dem Auge des Beſchauers Entſtehende lebhafter vor die Seele tritt und mehr Intereſſe erregt, als das Ruhende, Tote; daß demnach alles, was als

Linie ſich darſtellt, als fortlaufend, ſich bewegend gedacht werden kann, auch ſo dargeſtellt werden muß, indem man Grenzen, Flüſſe, Gebirgszüge mit dem Stocke verfolgt, bei der Erklärung die Verba der Bewegung ſtatt der Ruhe gebraucht, wenn der Lehrer ein Zeichner iſt, er Einzelnes, wie das Auslaufen der meiſten Gebirgszüge vom Fichtelgebirge als Knotenpunkt, an die Tafel zeichnet; endlich wie alles als bloßer Punkt Erſcheinende, wie Städte ꝛc., an dieſe Linien ſich anlehnen muß. Bei der politiſchen Geographie iſt ſelbſtverſtändlich ſtets auf die phyſiſche zurückzugreifen, die einzelnen Erſcheinungen möglichſt aus den natürlichen Verhältniſſen zu erklären, wie die beſonderen Induſtrien der Gebirgsgegenden ꝛc.

3. Was kann die Entſiehung eines klaren Geſamtbildes ſtören? Die Benutzung von verſchieden⸗ artigen, namentlich Spezialkarten bei dem Anfänger, weil dieſer die verſchiedenen Maßſtäbe nicht genügend auseinander hält und durch das Ineinanderfließen der verſchiedenen Bilder leicht Ver⸗ wirrung entſteht. Es darf alſo anfangs nur an der Wandkarte, alſo auch nur in der Klaſſe ge⸗ arbeitet werden. Aus demſelben Grunde iſt Kartenzeichnen abgeſehen von dem großen Zeit⸗ aufwande, den es erfordert in den Unterklaſſen ganz zu vermeiden, ſpäter mit großer Vorſicht anzuwenden. Bloßes Durchzeichnen iſt ganz zwecklos, da es das Auge immer nur auf den einen Punkt feſſelt, wo der Bleiſtiſt ſich befindet, alſo kein Bild vor die Seele führt, Netz⸗ oder gar Freizeichnen deshalb bedenklich, weil die leicht entſtehenden Zerrbilder ſich in der Seele feſtſetzen und das richtige Bild trüben.

Nachdem dann das ganze Material zu einem vollen Geſamtbilde verarbeitet iſt, entſteht die letzte Frage:

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