Aufsatz 
Zur Frage der Probanden-Ausbildung / August Waldeck
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5 praktiſchen Bedeutung zu urteilen, bei denen höchſtens die Meiſter der Philoſophie ein Wort mit⸗ reden können.

Es könnte ſich aber auch aus einer derartigen Vorbildung geradezu ein poſitiver Nachteil für die praktiſche Tüchtigkeit der Lehrer ergeben. Schon ihre Fachſtudien, namentlich die ſprachlichen und hiſtoriſchen, geben ihrem geſamten Geiſtesleben eine vorwiegend ideale, dem Theoretiſchen zuge⸗ wandte Richtung, die zu ihren praktiſchen Aufgaben oft nicht im richtigen Verhältnis ſteht. Wer meiſt in Büchern lebt, Welt und Menſchen vorzugsweiſe aus dieſen kennen lernt, wird leicht geneigt ſein, die wirkliche Welt mit dem Idealbilde zu verwechſeln, das ſich ihm in jenen darbietet, oder wenigſtens die Züge beider zu vermengen. Wer aber Menſchen erziehen will, der muß vor allen Dingen lernen, dieſelben zu nehmen wie ſie faktiſch ſind, nicht ſo wie er ſie auf ſpekulativem oder ſonſtigem Wege ſich künſtlich zurecht konſtruiert hat.Das eigentliche Studium des Menſchen iſt der Menſch, dieſes Wort eines engliſchen Schriftſtellers gilt, wenn je, ſo für den Pädagogen; aber dies Studium erfordert, um eine richtige Behandlung der Knaben darauf baſieren zu können, eine erſt durch Übung zu gewinnende Schärfe des Blicks, eine Objektivität und Unbefangenheit des Urteils, die gerade bei dem Lehrerſtande in ganz erklärlicher Weiſe leicht durch das überwiegende Leben in der Ideenwelt der Bücher getrübt und beeinträchtigt wird. Daher die ſo häufig gemachte Erfahrung, daß bei demſelben wiſſenſchaftliche und praktiſche Tüchtigkeit in gerade umgekehrtem Verhältnis ſtehen. Daraus erklären ſich zahlreiche Mängel unſeres Schullebens, deren Üübertreibung im Publikum bei der Hitze des gegenwärtigen Kampfes häufig zu maßloſen und ungerechten Ur⸗ teilen führt. Solche Mängel ſind aber in ziemlich ausgedehntem Maße vorhanden. Ich will nur auf den ſo häufigen Mangel an Disziplin, auf die maſſenhaft vorkommenden planmäßigen Täu⸗ ſchungen hinweiſen, ſowie auf die Summe von Uebelſtänden, als deren äußere Folgen ſich allge⸗ mein bekannte Dinge darſtellen: die Extemporalien⸗Not, die Klagen wegen Überbürdung und zu hohen Anforderungen ꝛc. Der Grund derſelben liegt, ſoweit er in der Schule ſelbſt liegt, nicht in deren Organiſation, ſondern einerſeits in der ungenügenden methodiſchen Ausbildung der Lehrer, andererſeits aber auch in der unrichtigen Beurteilung deſſen, worin der wahre Bildungswert eines Unterrichtsfaches beruht, indem der Lehrer leicht alles, was für den Fachgelehrten Intereſſe und Wichtigkeit hat, auch für den Schüler für nötig hält, in der läeberſchätzung der Leiſtungsfähigkeit der Schüler und der Unterſchätzung der Schwierigkeiten der Sache. Dies wiederum hat ſeinen Grund darin, daß das geiſtige Auge der Lehrer zu überwiegend auf das Unterrichtsobject, zu wenig auf das zu erziehende Objekt gerichtet iſt. So urteilt wenigſtens der intelligentere Teil des Pu⸗ blikums: Die Lehrer ſeien zu einſeitige Fachgelehrte, nicht genug praktiſche Männer mit hellem Blick und klarem Urteil über die Dinge des Lebens und ſpeziell über ihre Schüler. Daß aber bei der erwähnten Art der Probanden⸗Ausbildung dieſe übelſtände eher geſteigert als beſeitigt werden würden, liegt auf der Hand. Außer ſeiner Fachwiſſenſchaft ſoll alſo der Student, wenn auch in einem weiteren Jahre, die Kenntnis der Geſchichte der Pädagogik ſich aneignen, wofür er ohne vorangehende praktiſche Erfahrung weder Verſtändnis noch Intereſſe haben kann.Er ſoll ſich, meint Rein,ehe er in ſeinen Beruf eintritt, in mannigfachen ethiſchen Gedankenkreiſen verſuchen, um die Erkenntnis eines abſolut wertvollen Erziehungszieles zu gewinnen, zugleich aber die Über⸗ zeugung zu erhalten, ob und wie dieſes Ziel in den jugendlichen Seelen zu verwirklichen ſei. Die logiſche Durchdringung dieſer Probleme ꝛc. Führt eine ſolche Vorbildung, während ſie zu einer