Aufsatz 
Zur Frage der Probanden-Ausbildung / August Waldeck
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Glückſeligkeit, Curtmann's Civiliſation u. a. ſich als Ziel ſtecken ſoll. Zur Begründung dieſer Forderung dient ein Vergleich mit dem Bildhauer; es wird gefragt:Können wir von dem etwas Ordentliches erwarten, der mit den Werkzeugen am Steinblock herumarbeitet, ohne daß er recht weiß, welches Bild er hervorrufen will?

Zunächſt ſcheint mir, daß bei dieſem Vergleich eine Verwechslung des Meiſters mit dem Lehr⸗ ling ein ſolcher iſt der Probandus vorliegt. Als Dannecker ſeine Ariadne in Angriff nahm, da exiſtirte in dem Kopfe des Meiſters ganz gewiß die fertige Geſtalt des Bildes in voller Klarheit und Reinheit; wenn aber ein Lehrling zu der Arbeit zugelaſſen wurde, ſo hat er jedenfalls nur an dem rohen Blocke gearbeitet, und zwar unbekümmert um das hohe Idealbild, das vielleicht gar nicht, jedenfalls nur in den allergröbſten Umriſſen vor ſeiner Seele ſtand nur nach ganz beſtimmten, an dem Blocke ſelbſt vorgezeichneten Richt⸗Linien und Punkten, und ſeine Lehrlings⸗ aufgabe beſtand nur darin, ſeine Hand zu üben, die Eigenſchaften ſeines Materials und die Wir⸗ kungen der verſchiedenen Inſtrumente an demſelben zu erproben. So wenig aber der Bild⸗ hauer von ſeinem Lehrling verlangt, daß er bei ſeinen erſten Verſuchen mit dem Meißel direkt auf das ideale Bild losarbeiten ſoll, das er ſelbſt im Kopfe trägt, ebenſo wenig kann man die oben bezeichnete Forderung an den Lehrling im Unterrichten ſtellen. Man lege ſich doch einmal die Frage nach der Möglichkeit vor. Durchſchnittlich 22 26jährige Jünglinge, die in ihrem akademi⸗ ſchen Triennium wahrlich genug halbverdauten Wiſſensſtoff in ſich aufgenommen haben, ſollen in einem weiteren Jahre alle die genannten Syſteme nicht etwa blos kennen gelernt, ſondern logiſch durchdrungen haben, ſo daß ſie die Entſcheidung über den Vorzug treffen können, und dieſe Ent⸗ ſcheidung ſoll von ſolcher Wichtigkeit ſein, daß Richtung und Ziel ihrer zukünftigen Erzieherthätigkeit davon abhängt. Wenn man dem angehenden Lehrer ſo hohe und ſchwierige Zeele ſtellt, ſo iſt zu fürchten, daß er ſeine nächſten praktiſchen Ziele aus dem Auge verliert und darüber hinſtolpert. So weit gehenden Anforderungen an theoretiſche Vorſtudien neben ihren Fachwiſſenſchaften würden überhaupt nur die befähigtſten einigermaßen gewachſen ſein, bei den meiſten würden dieſelben einen unklaren Idealismus erzeugen, ja ich fürchte, daß mancher mit dem Gefühle des bekannten Mühl⸗ rades im Kopfe in ſeinen Beruf eintreten würde.

Dann aber muß auch die Berechtigung einer ſolchen Zielſtellung beſtritten werden. Allerdings ſoll der Lehrer nicht ins blaue hinein arbeiten, aber er ſoll auch nicht, und am wenigſten der Anfänger, ſein Ziel willkürlich unter den ewig nach Zeiten und Verhältniſſen wechſelnden Menſchen⸗ Idealen philoſophiſcher Syſteme wählen, ſondern es iſt ihm ganz beſtimmt gegeben in der Kultur⸗ ſtufe der jetzigen Menſchheit, reſp. in deren Hauptdaſeinsformen von Kirche und Staat, in den ethiſchen Zielen, die dieſe ihm ſtellen: er ſoll ſeine Zöglinge zu wahren Chriſten mit warmem, opferfreudigem Herzen, zu tüchtigen patriotiſchen Staatsbürgern mit klarem Kopfe machen. Dies letzte Ziel iſt, wenigſtens in den Umriſſen, wie er es nötig hat, dem Probandus auch ohne akade⸗ miſche Vorleſungen bekannt, ja ich zweifle nicht, daß eingehende Studien über alle oben genannten Syſteme daſſelbe nur verſchieben und verwirren würden. Erſt kennen lernen dagegen muß er die Ziele ſeiner Unterrichtsanſtalt und der einzelnen Klaſſen, genau und ſpeziell die ſeiner Klaſſe und ſeiner Fächer, das ſind die Richtlinien, nach denen der Anfänger zu arbeiten hat. Ich bin wahrlich kein Verächter philoſophiſcher Studien, aber man ſoll nicht junge Leute, die kaum taſtend ſich mit denſelben befaßt haben können, verleiten, nach philoſophiſchen Prinzipien über Fragen von der höchſten