Zur Frage der Probanden⸗Ausbiſdung von Prof. Auguſt Valdeck.
Der erfreulichſte bis jetzt zu verzeichnende Erfolg des hitzigen Streites um die höheren Schulen iſt die immer mehr ſich verbreitende Erkenntnis, daß der Hauptgrund der beklagten Üübelſtände viel weniger in den Objekten des Unterrichts liegt als in der mangelnden methodiſchen Tüchtigkeit der Lehrer. Als notwendige Folge davon tritt die Frage nach einer zweckmäßigeren Ausbildung der Probanden in den Vordergrund der ganzen Reformbewegung. Dieſe Frage, die nach Lage der Dinge ſich von ſelbſt weſentlich zu der Alternative: Univerſitäts⸗Seminare oder Umgeſtaltung des Probejahres? zuſpitzt, iſt bereits ſo vielfach erörtert, daß eine erneute Beſprechung derſelben über⸗ flüſſig erſcheinen könnte. Indes wird dabei nach meiner Ueberzeugung im allgemeinen noch viel zu ſehr die wiſſenſchaftliche Seite der Sache betont; man neigt noch zu ſehr zu der Anſicht, daß die Tüchtigkeit des Lehrers in erſter Linie aus einem Wiſſen der pädagogiſchen Geſetze hervorgehe, daß dies Wiſſen ſich dann leicht durch eine Anzahl Verſuche auch in das erforderliche Können um⸗ ſetzen laſſe. Das Unterrichten iſt aber eine eminent praktiſche Runſt, die die vielſeitigſten, nur durch Übung und zweckmäßige Anleitung zu erlangenden Fertigkeiten erfordert; bei der, wie bei jeder anderen, die allgemeinen Geſetze, die Theorie, nur auf Grund der Praxis und durch die⸗ ſelbe verſtanden werden können, bei der alſo eine förmliche praktiſche Lehrzeit durchgemacht werden muß, aus der dann das theoretiſche Wiſſen als reife Trucht erſt hervorwächſt. Dies iſt die Grund⸗ anſchauung, auf der die folgenden Ausführungen und Vorſchläge beruhen.
Herr Prof. Kein in Jena begründet in einem geiſtvollen und intereſſanten Aufſatz in Heft 16 der„Lehrproben“ die Notwendigkeit beſſerer methodiſcher Vorbildung der Lehrer in der überzeu⸗ gendſten Weiſe. Allem, was er über das Verhältnis von Theorie und Praris ſagt, und über die Notwendigkeit, daß beide aufs engſte Hand in Hand gehen müſſen, ſtimme ich vollkommen zu, dagegen bin ich anderer Anſicht bezüglich deſſen, worauf die Theorie bei dem angehenden Lehrer ſich zu erſtrecken hat, und bezüglich des Weges, auf dem er dieſelbe ſich aneignen ſoll. Als nächſten Zweck derſelben ſtellt Rein— Seite 4— den Satz auf, daß der Erzieher, bevor er ſeine Bahn betritt, ſein Ziel kennen lernen ſoll, und zwar„ein abſolut wertvolles Ziel“. Er ſoll ſich ent⸗ ſcheiden,„ob er Locke folgen und ſeine Zöglinge für die Welt vorbereiten, oder Baſedow vertrauen oder Rouſſeau als Vorbild nehmen, oder Graſer's Divinität, Niemeyer's Humanität, Trapp's


