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Antwort ſtehen können ſie nicht. Daher ſpricht denn Sokrates nach dem prunkenden Vortrag des Protagoras ironiſch ſeine Bewunderung aus, verlangt aber für die Erörterung ihrer Streit⸗ frage ſehr entſchieden ein dialectiſches Verfahren, und droht ſogar, wenn ihm darin nicht nach⸗ gegeben werde, das ganze Geſpräch abzubrechen.
Ein Abſchnitt des Dialogs iſt indeß der Bekämpfung der ſophiſtiſchen Methode ausſchließlich gewidmet, 339 A bis 347, die Beſprechung des Simonideiſchen Gedichtes, über deren Bedeu⸗ tung die Anſichten der Erklärer vielfach auseinander gehen. Die Sophiſten liebten es, hervor⸗ ragende und bekannte Dichterwerke in den Kreis ihrer Vorträge und Unterſuchungen zu ziehen, theils um denſelben dadurch Abwechslung und Intereſſe zu verleihen, theils um einen Gegenſtand zu haben, an dem ſie ihre geiſtige Ueberlegenheit zeigen und ihr Licht leuchten laſſen konnten, namentlich aber auch, um ſie als Belege für ihre Behauptungen, beſonders auf ethiſchem Ge⸗ biete zu benutzen. Um dies Verfahren zu characteriſiren und in ſeinem wahren Werthe zu zeigen, läßt denn Plato den Protagoras auch hier ein Gedicht in das Geſpräch hineinziehn, angeblich, weil es mit der Hauptfrage im Zuſammenhang ſtehe, in Wirklichkeit aber, weil er die Unterhaltung auf ein Feld leiten will, wo er vermeintlich beſſer zu Hauſe iſt. Simonides feiert in demſelben den etwas übel berüchtigten theſſaliſchen Tyrannen Skopas, und faſſen wir, abgeſehen von den gegebenen Erklärungen, die mitgetheilten Bruchſtücke unbefangen ins Ange, ſo iſt der Grund⸗ gedanke folgender: Ein wahrhaft guter Mann zu werden iſt ſchwer(oder: ein guter Mann zu werden iſt in Wahrheit ſchwer, ³) aber ſtets trefflich zu ſein, kommt nur einem Gott zu, bei Menſchen darf man nicht zu hart urtheilen, denn auch die beſten fehlen. Die Ausführung dieſes letzten Gedankens knüpft der Dichter an ein Wort des Pittakus: 2αεανm⁴εασ⁶ιτ Eεεναά, in wel⸗ chem er, obgleich es gewiß wohl denſelben Sinn haben ſoll, die entgegengeſetzte Behauptung ausge⸗ ſprochen findet, indem er dem 2εεᷣræα einen prägnanten Sinn beilegt: dauernd edel zu ſein iſt ſchwer. Daher wird dieſer Gedanke in den folgenden Verſen bekämpft, ohne daß indeß, nach der Auffaſſung des Sokrates, die polemiſche Tendenz ſich durch das ganze übrige Gedicht hinzieht. Protagoras nun hat nicht bemerkt, daß durch die prägnante Faſſung des 2uuerath das Wort des Pittakus bei Simonides einen weſentlich anderen Sinn bekommen hat, hält vielmehr das uerat für ganz gleichbedeutend mit ersooαe, und findet demnach zwiſchen der Verwerfung deſſelben und der eigenen Aeußerung des Dichters: ν⁴o αναeν αιανοέννςε*ενεκανz ᷣle einen Widerſpruch. Mit dieſer Entdeckung glaubt er nicht blos über den Dichter einen großen Triumph davon zu tragen, ſondern auch über Sokrates, der den Widerſpruch nicht bemerkt. Zur Löſung dieſes Problems verſucht dieſer drei verſchiedene Erklärungen: Erſtens hebt er mit Recht hervor, daß ekrat und yvεᷣσαα keineswegs gleichbedeutend ſind, und findet dann den Gedanken: Edel zu werden iſt allerdings ſchwierig, wenn man aber einmal den Gipfel der Tugend erreicht hat, dann iſt, es zu ſein, nicht ſchwer. Gegen dieſe Deutung beruft ſich Protagoras, ſtatt ſie aus dem Zuſammenhange zu viderlegen, auf die öffentliche Meinung, die dem letzten Gedanken
5) Es iſt nicht abzuſehen, warum die Verbindung des à4αϑρές mit Jalεααιν geradezu zu verwer⸗ fen ſein ſoll. Das Hyperbaton iſt fuͤr einen Dichter nichts Auffallendes und der dadurch gewonnene Gedanke paßt für den Zweck des Ganzen gerade ſo gut wie der andere.


