Aufsatz 
Analyse des Platonischen Protagoras / Waldeck
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zuweiſt. Andererſeits aber läßt er ihn wieder in einer Weiſe auftreten, durch die gerade diejenige Wiſſenſchaft, als deren Begründer Prodikus ſich betrachtete, und auf die er ganz beſonderes Gewicht legte, in einem lächerlichen Lichte erſcheint. Prodikus beſaß ein unbeſtreitbares Verdienſt um die Synonymik, Plato aber läßt ihn 337 und an anderen Stellen eine Reihe ſo gezwungener und willkürlicher ſynonymiſcher Unterſchiede als Proben ſeiner Kunſt anführen, daß ſie, mag er ſie nun in Wirklichkeit aufgeſtellt haben oder nicht, ſicherlich hier nur zu dem Zweck beigebracht ſind, um die ganze Wiſſenſchaft, oder wenigſtens die Art, wie ſie Prodikus betreibt, zu perſiffliren. Dahin gehört namentlich ſeine Auffaſſung des Wortes dεαν⁹, ſowie daß er ihn 358 E einen Unterſchied zwiſchen und dεοs machen läßt, während er ſelbſt dieſen in ſeinem Beweiſe gänzlich ignorirt und die Anderen ausdrücklich beide Begriffe für identiſch erklären. Alle dieſe Beiſpiele, zumal mit augenſcheinlicher Gewaltſamkeit in das Geſpräch hineingedrängt, können keinen andern Zweck haben, als der Synonymik eine ſehr untergeordnete Stellung und geringen Werth für die Wiſſenſchaft zuzuerkennen. Wenn er aber gar 340 den Prodikus mit ſeiner Kunſt zum Schutze des Simonides gegen Protagoras zu Hülfe ruft, und offenherzig dabei erklärt, daß er es nur thue, um ſelbſt Zeit zum Ueberlegen zu gewinnen; oder wenn er ihn kurz nachher im Ernſte zu der Behauptung verleitet, Simonides habe das Wort xαleοs im Sinne von xœxds gebraucht, und darauf meint, Prodikus mache nur einen Scherz, und ſelbſt den Beweis liefert, daß auch an dieſer Stelle.εαρρς nicht gleich.α*ς ſein könne, ſo überſchreitet das wohl das Maaß wohlmeinenden Scherzes, und wir müſſen darin mindeſtens eine geringſchätzige Behandlung nicht blos ſeiner Wiſſenſchaft, ſondern auch ſeiner Perſon erblicken. Ueberhaupt macht die Rolle, welche Hippias und Prodikus imProtagoras ſpielen, den Eindruck, daß Plato, getreu dem Standpunkte ſeines Lehrers Sokrates, die Ethik für den alleinigen Hauptgegenſtand der Philoſophie hält, den wiſſenſchaftlichen Werth der Natur⸗ und Sprachforſchung aber und der anderen Gebiete ſophiſtiſcher Studien unterſchätzt.

Was nun die ſophiſtiſche Methode anlangt, ſo trägt dieſe im Grunde genommen ihre Kritik in ſich ſelbſt. Ein Verfahren, das, ſtatt von feſten Principien auszugehen, ſeine Behaup⸗ tungen je nach den Umſtänden modificirt, und ſeine Beweiſe, ſtatt ſie auf logiſche Schlußfolge⸗ rungen zu ſtützen, aus willkürlich erſonnenen Mythen, Volksmeinungen, und zwar zum Theil noch falſch dargeſtellten Volksmeinungen, dichteriſchen und ſtaatsmänniſchen Auctoritäten entnimmt, muß natürlich Widerſprüche und Inconſequenzen in Menge mit ſich führen, die dem Denkenden alsbald ins Auge fallen. Dieſe ſollen durch glänzende, kunſtvoll gebildete Perioden, Eleganz und Fülle des Ausdrucks und andere rhetoriſche Vorzüge verdeckt werden. Alle Ausführungen des Protagoras, namentlich ſein längerer Vortrag über die Lehrbarkeit der Tugend, zeigen in hohem Grade jene Mängel wie dieſe guten Seiten, und was von ihm damit angeſtrebt wird, das Aufſehn und die Bewunderung einer unwiſſenden Menge, das wird in der That damit erreicht, für eine wirklich philoſophiſche Unterſuchung aber liegt die gänzliche Unbrauchbarkeit eines ſolchen Verfahrens klar auf der Hand. Treffend vergleicht daher Sokrates eine ſolche Schönrederei mit dem Beſtrebungen der Volksredner(329 A), die nicht auf Darlegung der Wahrheit ausgehen, ſondern nur den Schein derſelben hervorbringen und das Volk überreden wollen. Wie metallene Gefäße klingen ſie, einmal angeſchlagen, lange fort, wenn man ſie nicht anfaßt, aber Rede und