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zeigt, daß Jeder über das zu reden tüchtig iſt, was er verſteht, z. B. der ◻ιαισπςᷣ õöüber das Zitherſpiel, und es erhebt ſich alſo die weitere Frage: Was verſteht oder weiß der Sophiſt? Auf dieſe Frage aber bleibt der Jüngling jede Antwort ſchuldig. Es ergiebt ſich alſo als Re⸗ ſultat dieſes Geſpräches, daß die Sophiſtik jedes poſitiven Wiſſensinhaltes vollſtändig entbehrt, und alſo bloß die Form der Rede zum Gegenſtande haben kann.
Als nun im Anfange des Hauptgeſprächs Sokrates Protagoras ſelbſt nach dem Objecte ſeines Unterrichts befragt, zeigt es ſich, daß er faſt ebenſo unklar darüber iſt wie jener. Er weiß zunächſt keine nähere Beſtimmung darüber zu geben, als daß ſeine Schüler mit jedem Tage beſſer werden ſollen, und erſt nachdem ihm Sokrates an mehreren Beiſpielen den Sinn ſeiner Frage veranſchaulicht hat, bringt er, wiederum unter vielen Umſchweifen und Seitenhieben auf andere Sophiſten, die Erklärung zu Stande, daß er ein Lehrer der doεrn Tro*³ιιιαι—õöõei. Dies ſucht er in ausführlicher Rede zu begründen, verräth aber dadurch ſeine Unklarheit über die Sache nur vollends, denn während er unter dοιαν⁷ Nichts verſteht, als ein theils aus angeborenem ſittlichem Gefühle, theils aus Erziehung und Gewöhnung hervorgehendes Handeln, das mit der Erkenntniß Nichts zu thun hat, will er dieſelbe doch lehren. Von dem eigentlichen Zweck der Philoſophie, ſpeciell der Ethik, den Menſchen zum Bewußtſein ſeines Thuns zu erheben, weiß er Nichts.
So erweiſt ſich die ganze Tugendlehre des Protagoras als nichtig und inhaltlos. Der Kampf gegen ſie, als die bedeutendſte, aber auch zugleich practiſch gefährlichſte Seite der Sophiſtik iſt natürlich der hauptſächlichſte polemiſche Zweck des Dialogs und erfüllt den größten Theil deſſelben; nebenher aber wendet ſich Plato, um ſeine Gegner auf allen ihren Gebieten zu ver⸗ nichten, auch gegen andere wiſſenſchaftliche Beſtrebungen derſelben.
Dies iſt der Grund, weshalb Hippias und Prodikus eine Rolle zu ſpielen haben. Erſterer tritt dreimal im Ganzen hervor, zuerſt 315 C, wo er auf einem Katheder ſitzend alle möglichen Fragen ſeiner Schüler über Natur und Aſtronomie beantwortet; dann 337 C bis 338 B, wo er ohne alle Veranlaſſung ſeine Anſicht über den Gegenſatz menſchlicher Rechtsſatzungen gegen das Naturrecht auskramt, und dann in prunkender Rede ſeinen Vorſchlag motivirt, Diäteten über das Geſpräch zu ernennen, endlich 347 B, wo er ſich erbietet, auch ſeinerſeits eine neue Erklärung der fraglichen Dichterſtelle zu geben, aber von Alcibiades damit zurückgewieſen wird. Ohne daß ſeine Anſichten direct bekämpft werden, läßt ihn doch Plato eine Rolle ſpielen, aus der die innere Haltloſigkeit ſeiner ganzen Weisheit deutlich hervorleuchtet. Es iſt mehr das Eitle, Geſpreizte und Salbungsvolle ſeiner ganzen äußeren Erſcheinung, durch das die Hohlheit und Nichtigkeit ſeiner wiſſenſchaftlichen Beſtrebungen charakteriſirt werden ſoll.
Eine eigenthümliche Rolle ſpielt Prodikus in dem Dialog. Wenn ihn Sokrates einerſeits mit einer gewiſſen wohlthuenden Milde und Freundlichkeit behandelt, ja ſich ſelbſt 341 A, wenn auch nicht ohne einen Anflug von Ironie einen Schüler deſſelben nennt, und 315 E ihn als einen αααασποοο ταά s aνnje bezeichnet, ſo iſt das wohl nur auf Rechnung ſeiner Achtung vor dem ehrenwerthen perſönlichen Character deſſelben und vor ſeiner lauteren Sitten⸗ lehre zu ſetzen. Damit ſtimmt auch der Umſtand überein, daß er gegen ihn ſonſt nirgends ſo ſcharf vorgeht, wie gegen die anderen Sophiſten, ja ihm ſogar Schuler von geringeren Fähigkeiten


