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die ſubjective Anſicht, und im Grunde genommen war damit jeder Ethik, wie überhaupt jeder Philoſophie der Boden entzogen. So fehlte es denn der ſophiſtiſchen Lehre an jedem poſitiven Inhalte, und ihr Streben konnte allein darauf gerichtet ſein, dem Einzelnen die Fertigkeit zu verſchaffen, durch Redegewandtheit und dialectiſche Kunſtgriffe Andere zu überzeugen und die eigene Subjectivität zu möglichſter Geltung zu bringen. Wenn dies die theoretiſche Seite der Sophiſtik iſt, ſo mußte die practiſche in ihren Conſequenzen nothwendiger Weiſe zu einer völligen Auflöſung aller ſittlichen Fundamente führen, auf denen der Staat und die Geſellſchaft ruhen, denn dem Princip der Subjectivität gegenüber erſcheinen natürlich alle poſitiven Rechtsſatzungen als Willkür, über die ſich der Einſichtige nach Möglichkeit hinwegſetzen darf. Dies ſind die Ideen, welche die geiſtige Richtung der damaligen Zeit beherrſchten, und die auf die griechiſche Jugend eine um ſo mächtigere Anziehungskraft ausübten, als ſie dem Ehrgeiz und der Selbſt⸗ ſucht den möglichſten Vorſchub leiſteten. Sie zu bekämpfen und an ihre Stelle eine von feſten Principien ausgehende und auf niſſenſchaftlicher Methode beruhende Philoſophie zu ſetzen, das war die Lebensaufgabe des Sokrates geweſen, die er bei ſeinem Tode gleichſam als Erbtheil ſeinem Schüler Plato hinterließ. Dieſen Zweck verfolgt unter allen Dialogen am directeſten und vollſtändigſten„Protagoras“. Wie ſchon in den bisher erörterten Parteien des Geſprächs die Auffaſſung des Gegners von der Tugend ſich als mangelhaft und wiſſenſchaftlich ungenügend erwies, ſo dienen auch die übrigen Theile direct der Bekämpfung der Sophiſtik, ihrem Inhalte und ihrer Methode nach.
Das Vorgeſpräch hat den Zweck, nachzuweiſen, daß es der Lehre des Protogoras an jedem beſtimmten Object gebricht, oder wenigſtens, daß Hippokrates, der hier gleichſam als Ver⸗ treter des Publikums zu betrachten iſt, daſſelbe nicht kennt. Sokrates legt ſeinem jugendlichen Freunde die Frage vor, was er bei Protagoras lernen wolle. Um ihm den Sinn dieſer Frage zu verdeutlichen, muß zunächſt der Erfahrungsſatz feſtgeſtellt werden, daß aller Unterricht ſeinem Zwecke nach in zwei Claſſen zerfällt: 1) den, den der Fachmann ertheilt, um wieder Fach⸗ männer zu bilden, 2) den des Lehrers, der nur auf allgemeine Bildung abzielt. Dies wird an⸗ ſchaulich gemacht durch Beiſpiele, die in fingirten Fällen beſtehen: Angenommen, Hippokrates wolle den Unterricht ſeines berühmten Namensvetters oder des Bildhauers Pheidias für Geld genießen, ſo könnte er dabei nur die Abſicht haben, ſelbſt Arzt, resp. Bildhauer zu werden, und ſo führt er ihn darauf hin, den Gattungsbegriff anzugeben, unter welchen Protagoras fällt. Er nennt ihn einen Sophiſten, verneint aber erröthend die weitere Frage, ob er ſelbſt auch Sophiſt werden wolle. Es bleibt alſo Nichts übrig, als daß ſein Unterricht zu der zweiten Kategorie gehört, daß er alſo gleich dem oaeνιμαανjs,*ννανιασι und ααα⁴ οαεας bloße rœu⁶etæ erziele. Nunmehr muß der angegebene Gattungsbegriff unterſucht und näher beſtimmt werden. Hippokrates verſucht es durch eine etymologiſche Erklärung des Namens, von ½ α und dem Stamme w-(&mriαᷣτααιφα, alſo Einer, der 9% ¹G%weiß. Damit iſt aber wiederum Nichts gewonnen als ein anderer Gattungsbegriff, der Maler, Baumeiſter u. ſ. w. umfaßt und nach den Objecten des Wiſſens in verſchiedene Species zerfällt. Nach dieſer bedarf alſo der -oqtiis noch der näheren Beſtimmung, und Hippokrates giebt dieſe, indem er ihn für deισε Aepety erklärt. Aber auch dieſe Antwort erweiſt ſich als nicht genügend, denn die Erfahrung


