Aufsatz 
Analyse des Platonischen Protagoras / Waldeck
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dem Reiter der Satz entwickelt, daß Jeder auf demjenigen Gebiete Kühnheit zeigt, auf welchem er Sachverſtändiger iſt. Dagegen exiſtirt eine andere Art von Kühnheit, welche auf ihren Gegen⸗ ſtand losgeht ohne Kenntniß deſſelben, dieſe aber iſt ein 4εασαιαν, alſo keine Tapferkeit. Das logiſche Verhältniß der Begriffe ſtellt ſich demnach ſo: Kühnheit iſt genus, und zerfällt in zwei Species: αν⁴m˙εi(Kühnheit mit Einſicht) und uæri(Kühnheit ohne Einſicht). Da alſo nur auf Einſicht beruhende Kühnheit Tapferkeit iſt und Einſicht die Tapferkeit hervorbringt, ſo iſt die Tapferkeit in ihrem Weſen Einſicht.[Bei dieſem Beweiſe werden, wie imProtagsras durchgehends, cogpia und 6nιασνιμκ õnonym gebraucht.]

Gegen dieſe Beweisführung wendet Protagoras ein, daß Sokrates ſeinen zugeſtandenen Oberſatz: Der Tapfere iſt kühn, umgekehrt und damit beide Begriffe für gleichbedeutend erklärt habe. Dies zeugt von einem gänzlichen, und wie es ſcheint, abſichtlichen Mißverſtehen, denn Sokrates hat, wie nachgewieſen, die Kühnheit blos als Merkmal von der aανσαέi prädicirt, alſo die letztere als Species der erſteren betrachtet. ²) Jener ſcheint nur ſoviel als erwieſen einzuräumen, daß Tapferkeit durch Einſicht erhöht würde, und ſucht nun das vermeintlich fehler⸗ hafte des Beweiſes durch eine Analogie darzuthun. Auf dieſe Art, meint er, laſſe ſich be⸗ weiſen, daß Körperkraft Einſicht ſei, nämlich ſo: Der i x νs iſt Jurα᷑oe, der 4rαπνυχ Tadœαteĩν iſt uαrε παiewν, folglich&αασνηuQπmgleich icxös ein Schluß der zweiten Art, der aber offenbar nur unter der Vorausſetzung richtig iſt, daß die beiden Begriffe des Oberſatzes identiſch ſind, alſo den Fehler enthält, der dem Sokrates fälſchlich vorgeworfen wird. Soll die Analogie richtig ſein, ſo muß ſie heißen: Der 10 ς αά‿σsς(der erſte Begriff als Species des letzten); der rιασσuααν νππα‿ααci iſt dvναrds alaletr, der ²*) Srιασντυνιιμχι iſt zwar Jorærös, aber nicht i ös, folglich seιασηινυν gleich 1 zb˙. Dabei iſt aber der dritte Satz nicht blos nicht erwieſen, ſondern gradezu widerſinnig. Dann verwirrt er das Verhältniß der Begriffe noch vollſtändig dadurch, daß er je zwei einander untergeordnete als beigeordnete einander gegenüber ſtellt, und um das analoge Verhältniß von duν‿ναάᷣ und αοσσσsς heraus zu bringen, grade dem 4αισασοο diejenige Entſtehung zuſchreibt, die, wie er ſelbſt früher zuge⸗ ſtanden, der a⁴εic zukommt.

Da Sokrates einſieht, daß er auf dieſem Wege mit ſeinem Gegner nicht weiter kommt, ſo läßt er ſich auf eine Widerlegung dieſes Einwandes nicht ein, ſondern beginnt einen neuen Be⸗ weis von einem ganz anderen Punkte aus. Es handelt ſich darum, den bekannten ſokratiſchen Satz zu erweiſen, daß kein Menſch freiwillig das Böſe thut, ſondern Jeder nur aus Mangel an Erkenntniß deſſen, was gut und böſe iſt, um dann daraus den Schluß zu ziehen, daß jede Tugend nur im Wiſſen des Guten und Böſen, alſo in der Weisheit beſtehe. Es wird dabei aus⸗ gegangen von dem Begriff des Guten und des Uebels, die in ihrem Verhältniß zu dem Ange⸗ nehmen und Schmerzlichen geprüft werden.Die gewöhnliche Auffaſſung des Angenehmen und Schmerzlichen faßt nur den Augenblick ins Auge, das vorübergehende Gefühl von Luſt und Un⸗

2) Daher kann es 350 B am Ende, unmöglich heißen: 6vX1 0ds.αeενos tvæt, ſondern der Artikel muß entweder wegfallen oder nach Sauppe's Vorſchlag in 1001098 verwandelt werden, denn der Artikel würde offenbar das ganze genus der 9ας ⁴εο⁵ zuſammen faſſen, Sokrates alſo gerade den Fehler begehen, den ihm ſein Gegner vorwirft, und noch dazu die Richtigkeit ſeines ganzen Beweiſes zerſtören.