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Plato gern bedient, um ſchwierige und verwickelte Verhältniſſe zu erläutern: qualitativ verſchieden ſind das Geſicht und ſeine Theile, Naſe, Augen, Ohren ꝛc., rein quantitativ verſchieden die Theile des Goldes.— Nachdem Protagoras ſich mit Beſtimmtheit für das Erſtere entſchieden und aus⸗ drücklich jeder Tugend ihre eigenthümliche durαuos zugeſprochen hat, führt Sokrates ſeinen Gegenbeweis für die Einheit ſämmtlicher Tugenden indirect.— Er wählt 6⁶ ꝶ und dιακσαη- gurn als Beiſpiele, um nachzuweiſen, daß die Annahme ihrer weſentlichen Verſchiedenheit zu Unmöglichkeiten führt. Das Verfahren iſt folgendes: Beide Begriffe werden zunächſt, um ein Urtheil zu gewinnen, abſtract als ein r0⁵pu« gefaßt, und dieſen dann ihr weſentliches Merkmal, oder vielmehr die Summe ihrer conſtitutiven Merkmale beigelegt, ſo daß ein identiſches Urtheil entſteht: Jεααισνννν1ευασαα τοννμα diνeν und d-ειεε dαπ ꝛ‧esμα 5ιονν und dies dann per aequipollentiam ungeformt in den Satz: dιυκαησνν ssrιν ν diνααον εtνα und d*σιτ ⁸qτν ooν dον ενκαάU. Der vollſtändige Beweis würde nun erfordern, daß beide Begriffe zerlegt, ihrem Inhalte nach unterſucht und dieſer als gleich nachgewieſen würde, nach dem logiſchen Geſetze, daß nur ſolche Begriffe identiſch ſind, deren ſämmtliche conſtitutive Merk⸗ male gleich ſind. Aber der Widerſinn der ſich unmittelbar ergebenden Folge, daß dann fromm handeln nicht auch zugleich gerecht handeln hieße und umgekehrt, liegt ſo klar auf der Hand, daß es jenes vollſtändigen Beweiſes gar nicht bedarf, ſondern Protagoras ſchon jetzt in Wirk⸗ lichkeit ſeine Behauptung als unhaltbar erkennt, und ſich, um nicht förmlich widerrufen zu müſſen, hinter allgemeine Ausführungen über die Relativität des Begriffes ähnlich verſchanzt, lauter Dinge, die an ſich richtig ſind, aber nicht hierher gehören, da Sokrates ja nicht die Aehnlichkeit, ſondern gradezu die Identität der fraglichen Begriffe behauptet. Uebrigens iſt der Schluß dieſes Beweiſes 331 A, wo 46 ιxαον ohne Weiteres für 1 diα⸗ον und ³‿eνσαον für 1½) ö-o* geſetzt wird, formell nicht ganz richtig, ſondern verſtößt gegen das logiſche Geſetz, daß der contradicta⸗ riſche Gegenſatz nicht mit dem conträren vertauſcht werden darf.
Weiter wird die Identität des 6ο 000Q0,wc/0L mit der c—ρᷣi½ᷣ bewieſen, und zwar indirect mit Hülfe des logiſchen Geſetzes, daß jeder Begriff nur Einen conträren Gegenſatz hat, daß alſo Be⸗ griffe mit demſelben conträren Gegenſatz identiſch ſein müſſen. Das Verfahren iſt folgendes: Zunächſt wird aus der Erfahrung die ogë als Gegenſatz der 2„½οσι konſtatirt, dann die -.σσοπσον½ näher beſtimmt als ein recht und nützlich handeln und das&σρσνυσωα ποm τsονals das Gegentheil davon. Daraus ergiebt ſich die 0 0wV b vum 1 als das oppositum von 2A †.(O% νσσ OArεεν. Weiter wird durch Induction das Geſetz bewieſen, daß jedem Thun ein beſtimmter Zuſtand des handelnden Subjectes entſpricht: Wer kräftig handeln will, muß Kraft beſitzen, wer ſchnell, Schnelligkeit, u. ſ. w., und daraus durch unmittelbare Folgerung geſchloſſen, daß ſich aus entgegengeſetzten Qualitäten des Handelns auf entgegengeſetzte Qualitäten des Subjectes ſchließen läßt. Endlich wird ebenfalls durch Induction das oben erwähnte Geſetz feſtgeſtellt, daß jeder Begriff nur Einen conträren Gegenſatz hat. Dieſe beiden logiſchen Geſetze und die voraus— gehenden Beſtimmungen werden nun durch Recapitulation zuſammengeſtellt und ſie bilden die Prämiſſen zu folgendem Syllogismus:
Oberſatz: Was auf entgegengeſetzte Weiſe geſchieht, geſchieht in Folge entgegengeſetzter
Qualitäten.


