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ſittliche Begabung vorausſetzt. Alle dieſe Umſtände ſind offenbar willkürlich hinein⸗ getragen, um die Hauptwillkürlichkeit zu begründen, daß
e) die&εστε οerex) vollſtändig von allen übrigen geiſtigen Gaben des Menſchen ge⸗ trennt, und erſt durch einen Machtſpruch des Zeus, der als ihr alleiniger Inhaber gedacht wird, demſelben zugetheilt wird.
2) Soll man ſich nach Analogie der techniſchen Geſchicklichkeiten die auf dieſe Weiſe den Menſchen zugekommene ſittliche Scheu und Gerechtigkeit blos als eine Anlage denken, die erſt durch Erziehung und Unterricht der Entwicklung bedarf, oder als etwas bereits Entwickeltes, Fertiges? Der erſten Annahme widerſpricht der Umſtand, daß die Menſchen gleich bei der Ertheilung derſelben Staaten bildende Kraft haben, und daß auch nachher noch Völker ohne jede Spur von Erziehung in einer gewiſſen ſtaatlichen Gemeinſchaft leben;— der zweiten die ausdrückliche Behauptung 323 C, daß die Menſchen die aαενι παονιτκ— 00 Gναεε οι⁴ε—d τ αχαοναααον, ſondern durch Bildung haben, ebenſo die ſpätere Erörterung über die Anſtalten der Athener zur bürgerlichen Erziehung, über die Beſtrafung des Mangels derſelben und überhaupt die ganze Behauptung der Lehrbarkeit der Tugend.
3) In dem Mythus wird Allen gleichmäßig die agern oluν*νν zugetheilt, während ſpäter ſtets eine verſchiedene Begabung der Einzelnen für dieſelbe vorausgeſetzt wird, ja ſogar noch von Wilden die Rede iſt, die ohne allen Sinn für Recht und Geſetz aufwachſen.
4) Der indirecte Beweis 325 A, B und C enthält eine petitio principii, inſofern das, was bewieſen werden ſoll, die Lehrbarkeit der Tugend, in dem Beweiſe ſelbſt ſchon vorausge⸗ ſetzt wird.
5) Die Ausführungen 327 über die Frage, warum die Söhne berühmter Staatsmänner nicht wieder große Staatsmänner ſind, beweiſen nicht was ſie ſollen, denn einmal ſteht die An⸗ nahme verſchiedener Begabung im Widerſpruch mit dem ausdrücklichen Befehle des Zeus an Hermes, und dann iſt nicht abzuſehen, warum nicht der Unterricht der in ihrem Fache bedeutendſten Männer beſſere Früchte tragen ſoll, als der jedes Beliebigen.
So zeigt ſich denn, daß die Auffaſſung des gewöhnlichen Lebens von der Tugend, wie ſie auch die Sophiſten vertreten, voll iſt von Unklarheiten und inneren Widerſprüchen, und deßhalb für eine wiſſenſchaftliche Unterſuchung durchaus unbrauchbar. Daher muß vor Allem das Weſen und der Begriff der Tugend einer genaueren Prüfung unterzogen werden, und zu dem Ende läßt Sokrates zunächſt die Frage nach der Lehrbarkeit derſelben fallen, und greift dafür die andere nach der Einheit derſelben, resp. dem Verhältniſſe ihrer einzelnen Theile zu einander und zu dem Ganzen auf. Anknüpfend an die Bemerkung des Protagoras, daß Zeus den Menſchen dεααυοσννν und ³α⁴ gegeben habe, ſowie daran, daß derſelbe ιτααοσννν, G s und 16α ο⁵συν als gleichbedeutend gebraucht hat, wird die Frage ſo geſtellt: Sind dies Alles ver⸗ ſchiedene Theile der Tugend, oder ſind es nur andere Namen für denſelben Gegenſtand? Da Protagoras das erſtere bejaht, ſo iſt weiter feſtzuſtellen, auf welche Weiſe man ſich die Ver⸗ ſchiedenheit zu denken hat, ob qualitativ oder quantitativ, d. h. ob die Tugenden ſich innerlich durch ihr Weſen, ihre eigenthümliche Art(6ν ααε) von einander unterſcheiden, oder blos äußer⸗ lich durch den Grad. Dieſer Unterſchied wird klar gemacht durch eine Analogie, wie ſich ihrer


