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Ranges erklären, prägt ſich in unauslöſchlichen Zügen der Seele des Jünglings ein. So viele zur Schullectüre empfehlende Eigenſchaften möchte wohl kein anderer platoniſcher Dialog in ſich vereinigen.
Das ganze Werk zerfällt ſeinem Inhalte nach offenbar in zwei große Gruppen von Ge⸗ ſprächen: 1) ſolche, welche ſich unmittelbar auf die zu unterſuchende Hauptfrage nach der Einheit und Lehrbarkeit der Tugend beziehen, 2) ſolche, die andern, mehr polemiſchen Zwecken dienen. Obwohl in Wirklichkeit beide ſo durch einander laufen, daß ſie vollſtändig zu einem harmoniſchen Ganzen verſchmolzen ſind, ſo erſcheint es doch für die Erklärung zweckmäßig, beide Partien von Geſprächen zu trennen, zunächſt die erſteren für ſich allein zu analyſiren, und nachher die Be⸗ deutung der andern und ihr Verhältniß zu jenen zu erörtern.—
Anknüpfend an die Erklärung des Protagoras, daß er α τοιτεινι lehre, behauptet Sokrates, die Tugend, die natürlich hier im Sinne des gewöhnlichen Lebens, nicht im philoſo⸗ phiſchen, zu nehmen iſt, ſei überhaupt nicht lehrbar, und bringt dafür zwei indirecte Beweiſe bei, beide aus der Erfahrung entlehnt, und zwar:
1) Aus der Praxis des atheniſchen Staatslebens: In allen techniſchen Fragen läßt das Volk nur Sachverſtändige als Nathgeber in der Volksverſammlung zu, in allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten dagegen Jeden, und erklärt alſo damit, daß es in Sachen der dοετ τοειιτνι keine Sachverſtändigen giebt, alſo die Tugend nicht lehrbar iſt.
2) Aus dem Beiſpiel der hervorragenden Staatsmänner: Dieſe haben ihr eigene eν rroluιαι) weder durch eigenen noch durch fremden Unterricht auf ihre Söhne übertragen, während ſie in allen andern Gegenſtänden ſie tüchtig ausbilden ließen.
Den erſten dieſer beiden Beweiſe ſucht Protagoras zu widerlegen durch zwei Behauptungen:
1) Daß ſittliche Scheu und Gerechtigkeit allen Menſchen inne wohnen, daß alſo dadurch alle Menſchen zu Sachverſtändigen in Sachen der deρει τοετx: werden, alſo auch Rath geben können;
2) daß nach der allgemeinen Anſicht wir die ſittliche Scheu und Gerechtigkeit nicht von Natur, ſondern durch Unterricht beſitzen.
Die erſte dieſer Behauptungen wird auf doppelte Art bewieſen:
a) durch den Mythus von der Schöpfung des Menſchen und ſeiner Begabung durch Pro⸗ metheus, Epimetheus und Zeus.— Da dieſer aber die Sache eigentlich nur veranſchau⸗ lichen, nicht beweiſen kann, ſo wird
b) ein indirecter Beweis aus der Erfahrung hinzugefügt: Die Menſchen verlachen den, der irgend eine Kunſt zu verſtehen vorgiebt, ohne ſie zu verſtehen, was aber Jαααιουν und 4οιιm1mππα*ειαν⁷ betrifft, ſo wird der für verrückt gehalten, der ſie nicht zu beſitzen behauptet; alſo muß ſie Jedem inne wohnen.
Der zweite Satz wird ebenfalls indirect durch die Abſchreckungstheorie bei Strafen be⸗ wieſen: Natürliche Mängel und Gebrechen beſtraft Keiner, weil ſie von Natur da, alſo nicht zu


