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von Herrn Deuſchle aber kommen ſo viele Arten von Schlußformen und ſo viele termini technici zur Anwendung, daß allein deren Erklärung einen beträchtlichen Theil der Zeit in Anſpruch nehmen würde; ja wollte man ſich ſtreng daran halten, ſo käme man in Gefahr, die Plato⸗ Stunde in eine Logik⸗Stunde zu verwandeln, wobei der Schriftſteller nur die Beiſpiele liefern müßte. Eine Folge davon iſt es denn, daß der innere Zuſammenhang der einzelnen Erörterungen, ſowie der Faden und Plan des Ganzen, deſſen Darlegung doch einen der wichtigſten Theile der Erklärung ausmacht, nur wenig hervortritt.
Ich habe es mir deßhalb für meine Programmſchrift zur Aufgabe geſtellt, den„Protagoras“ in der Weiſe zu analyſiren, daß möglichſt alle Schlüſſe auf den Syllogismus der erſten Art als den anerkannt normalen, der allein die Richtigkeit verbürgt, zurückgeführt werden, und nur die wichtigſten termini technici zur Anwendung kommen, ¹) dagegen auf den inneren Zuſammenhang der einzelnen Beweiſe, den Gedankengang und Zweck des Ganzen mehr Geyicht gelegt wird. Den„Protagoras“ habe ich deßhalb gewählt, weil ich unter allen platoniſchen Schriften, die auf Gymnaſien geleſen werden, neben der„Apologie“ grade dieſen Dialog für die geeignetſte und anſprechendſte Primalectüre halte. Zuerſt wegen ſeines philoſophiſchen Gehalts. Es iſt eine Jugendſchrift Plato's, ihr Standpunkt noch der rein ſokratiſche; den alleinigen Inhalt aller dialektiſchen Erörterungen bildet der Satz, der im Grunde genommen die ganze ſokratiſche Philo⸗ ſophie in ſich zuſammenfaßt: Die Tugend eine Einheit, ein Wiſſen, und folglich lehrbar; alſo ein einfacher, leichter, der jugendlichen Faſſungskraft zugänglicherer Stoff, als die tiefen und ſchwierigen Probleme der ſpäteren platoniſchen Philoſophie. Dazu kommt der vortheilhafte Um⸗ ſtand, daß nicht faſt ununterbrochene dialectiſche Deductionen wie im„Gorgias“ den in dieſer Art zu denken ungeübten Geiſt ermüden, ſondern die ſtreng viſſenſchaftlichen Partien in an⸗ muthiger Weiſe abwechſeln mit Vorträgen und Erörterungen voll Geiſt und Humor, hier und da mit beißendem Witze gewürzt, und zwar über Dinge, die mit dem Hauptthema zwar meiſt nur in mittelbarem Zuſammenhange ſtehen, aber für die Kenntniß einer der wichtigſten Seiten des geſammten helleniſchen Geiſteslebens von der größten Bedeutung ſind. Da ſehen wir einerſeits den Sokrates im intimen väterlichen Umgange mit ſeinen Schülern, andererſeits entrollt ſich uns in dem Hauſe des reichen Kallias von dem Treiben der hervorragendſten Sophiſten ein an⸗ ſchauliches Bild, das jeden einzelnen derſelben grade von der Seite zeigt, die ſeine hauptſächlichſte perſönliche und wiſſenſchaftliche Eigenthümlichkeit ausmacht. Wir ſehen auf ſeinem Ruhebette hin⸗ geſtreckt den weichlichen, kränklichen Prodicus, wie er künſtliche ſynonymiſche Unterſchiede aufſucht, den vielwiſſenden eitlen Hippias, wie er vom Katheder herab im Orakelton alle etwa ge⸗ ſtellten Fragen beantwortet, endlich als den Meiſter unter ihnen, unter dem Säulengange auf und abwandelnd den ſeiner Ueberlegenheit ſich bewußten Protagoras, umgeben von einer ganzen Corona ehrfurchtsvoll bewundernder atheniſcher Jünglinge. Dies Alles, in ſo vollendeter, dra⸗ matiſch anſchaulicher Form dargeſtellt, daß die beſten Kenner das Werk für ein Kunſtwerk erſten
1) Das richtige Maaß logiſcher Kenntniſſe, die den Primanern nöthig find, ſcheint mir die„philoſophi⸗ ſche Propadeutik“ von Rumpel zu enthalten, daher habe ich dieſe dabei zum Grunde gelegt.


